9-Euro-Ticket für den ÖPNV: Schuß nach hinten?

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Bald ist es soweit: Ab 20. Mai soll das 9-Euro-Ticket in unserer Region erhältlich sein. In einem Video-Pressegespräch erläuterten am 6. Mai Jörg Reincke, Geschäftsführer der Braunschweiger Verkehrs GmbH und Ralf Sygusch, Geschäftsführer vom Regionalverband Großraum Braunschweig, den Stand der Dinge. Das Ticket gilt für je einen Monat, allerdings in einem limitierten Zeitraum vom 1.6. bis 31.8. 2022. Eine Verlängerung ist (bisher) nicht angedacht.

Es dürfte ein ziemlicher logistischer Aufwand sein: Beispielsweise bei den ca. 18000 Abonnenten für 3 Monate lang eine niedrigere Gebühr abzubuchen, momentan wird mit den einzelnen Asten der Universitäten verhandelt, dass ein Teil der Studiengebühren erstattet wird, denn eine Unicard gilt gleichzeitig als ÖPNV-Fahrschein, das Ticket soll an sämtlichen Automaten und Vorverkaufsstellen erhältlich sein… Hinter den Kulissen wird mit Volldampf gearbeitet.

Klar ist es toll, jetzt bundesweit für neun Euro pro Monat reisen zu können (außer im Fernverkehr der Bahn, also in ICs, ICEs und ECs). In einigen Gegenden soll sogar eine Fahrradmitnahme möglich sein, dazu muß man sich aber nach den Regeln der jeweiligen Verbundregion erkundigen.

Allerdings wird sich jeder ausmalen können, was dann an Wochenenden und in Ferienzeiten auf die Reisenden zukommen wird: Genuss in vollen Zügen. Und ebensolchen Bussen.

Die Berufsoptimisten der Bundesregierung möchten den Bürgern das Fahren mit Bussen und Bahnen schmackhaft machen und drehen deshalb mal kurz an der Preisschraube. Das (immer noch unzureichende) Streckenangebot, die Anzahl der zur Verfügung stehenden Fahrzeuge und das größte Problem, die bestehende Personalknappheit, bleiben unberücksichtigt. Daran wird sich auch bis zum 1.9. nichts geändert haben. Und wenn im weiteren Verlauf des Pressegesprächs mitgeteilt wird, dass sich der ÖPNV über den Zeitraum hinaus weiterentwickeln wird und muss, was mit einer Kostensteigerung verbunden sein wird, obwohl es noch kein erweitertes Angebot geben wird und auch die Gegenleistungen für die höheren Kosten nicht sichtbar sein werden, dann ahne ich: Nachtigall, ick hör Dir trapsen!

Drei Monate supergünstig und danach “richtig” teuer. So also geht Schmackhaftmachung, könnte man aber auch Augenwischerei nennen.

Dass das Ganze ein riesiges Verlustgeschäft wird, liegt auf der Hand. Wahrscheinlich wäre es sogar kostengünstiger gewesen, wenn man gesagt hätte, dass vom 1.6. bis zum 31.8. jeder den ÖPNV bundesweit für umme benutzen darf. (Kein Null-Euro-Ticket, denn ob da nun eine 0 oder eine 9 draufsteht: der Aufwand wäre der gleiche).

Dann wünsche ich uns allen, dass sich meine finsteren Vorahnungen nicht (oder nur teilweise) bestätigen mögen, genießen Sie ein Vierteljahr ÖPNV für monatlich 9 Euro und seien Sie am besten zu Zeiten unterwegs, an denen kein Mensch reisen möchte.