Witz-Licht 31 – Dezentrales Impfzentrum in Weddel?

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Und es begab sich, dass ich neulich nach dem ersten Bier eine Eingebung hatte.

Keine Ahnung, woher sie kam, von oben, unten, vorn, hinten, links, rechts, innen, außen… Plötzlich war sie da und ich wusste: Witzkewitz, du musst die Welt retten. Augenblicklich tat ich das, was man in solchen Momenten tun muss und öffnete das zweite Bier. Siehe da, die Eingebung veränderte sich allmählich und nun wusste ich: Witzkewitz, es genügt, wenn du Deutschland rettest. Nach dem dritten Bier schrumpfte sie auf Weddel retten zusammen, war schließlich ganz verschwunden und nach dem vierten Bier konnte ich noch geradeso mich selbst ins Bett retten.

Am nächsten Morgen erfuhr ich in den Nachrichten, dass die Biontech-Gründer mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden waren für ihren “Kampf gegen die Pandemie”. Blitzschlagartig wurde mir klar, dass wir uns im Krieg befanden, sogar im Weltkrieg! Einen, den Deutschland ausnahmsweise nicht angezettelt hatte, aber in guter alter Manier mal wieder zu verlieren drohte.

Das durfte auf keinen Fall passieren, mit aller Kraft würde ich mich dagegen stemmen, wenn es sein musste, allein auf weiter Flur das allerletzte Aufgebot stellen, den Impf-Sturm bilden.

Bin ja quasi dazu berufen, schließlich wurde ich während meiner Armeezeit zum Sani-Töter ausgebildet, musste dazu in der theoretischen Prüfung meine Kenntnisse über die Gonorrhoe nachweisen und in der praktischen Prüfung 1,2 Retacillin aufziehen, beides habe ich mit Bravour bestanden! Na gut, beim ersten Injizieren solch einer Penicillin-Spritze (galt in der NVA in den 70er Jahren als Allheilmittel und wurde manchmal sogar bei einer Erkältung verabreicht) musste ich zwei Mal nachstechen, was ziemlich schmerzhaft ist (aber nur für den Patienten). Wir haben damals nicht an Orangen geübt, um den Kraftaufwand herausfinden zu können, der benötigt wird, um die Kanüle auf Anhieb und damit nahezu schmerzfrei im Fleisch zu versenken. Nein, wir haben keine Südfrüchte zerstochen, schon deshalb nicht, weil wir in der DDR keine hatten. Ich habe an einem Fähnrich geübt, naja, das langsame und gleichmäßige Injizieren habe ich auch erst beim nächsten Patienten hinbekommen, der Fähnrich war eine Woche lang krank, aber er war danach der einzige Offizier, der mich als erster grüßte und sofort die Hand ans Käppi riss, sobald er mich auf dem Gelände erblickte.

Ich werde also demnächst die Gemeinde bitten, mir das Dorfgemeinschaftshaus Weddel als dezentrales Impfzentrum zur Verfügung zu stellen, weil ich nämlich allen, die sich von mir impfen lassen wollen, nach israelischem Vorbild ein Bier kredenzen möchte. Obwohl, wenn ich mir das Foto im Internet nochmals anschaue: Die haben gar kein Bier bekommen, sondern Heineken, ein Getränk, das ich nur in Ländern konsumiere, in denen es kein Bier gibt. Vielleicht gelingt es Wolters ja, kurzfristig für mich einen Impf-Sud zu brauen.

Selbstverständlich werde ich keine Einwegspritzen verwenden, solche Umweltbelastung wird es mit mir nicht geben. Ich habe schließlich an der guten alten Glasspritze gelernt, kann die auch selbst sterilisieren, Nachweis füge ich bei:

Außerdem gehört überhaupt nichts dazu, in den Oberarm zu injizieren. Mir wurde noch beigebracht, die Arschbacke in vier Quadranten einzuteilen und um nicht den Ischiasnerv zu verletzen, musste die Spritze in den oberen, äußeren Quadranten gesetzt werden. Diese Methode allerdings würde ich nur bei jungen, hübschen… Nein, der Chef schüttelt gerade mit dem Kopf und meint, ich solle jetzt nicht frauenfeindlich werden. Okay, es bleibt beim Oberarm, vielleicht ja mit freiem O… Wieder Kopfschütteln, okay, also nur Oberarm. Wenn ich nun auf Grund meiner langen Impfpause die ersten Impfungen doch nicht so gut hinkriegen sollte: Zuerst lassen sich doch immer Politiker im Beisein von Fotografen publikumswirksam impfen. Sollte da mal jemand eine Woche krank sein, das merkt doch gar keiner und ganz großes Ehrenwort: Beim zweiten, spätestens beim dritten Patienten bin ich wider fit. Eigentlich ist Impfen ja wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht.

Schriftliche Nachweise über mein medizinisches Können besitze ich leider keine, aber ich hoffe, meine Sachkompetenz an dieser Stelle ausführlich dargelegt zu haben. Mit meiner Erfahrung und meinem Können, gepaart mit dem IT-Wissen und der IT-Ausrüstung deutscher Schulen und Behörden werden wir endlich die Pandemie erfolgreich bekämpfen können. Ob „IT“ als Begriff vielleicht ein wenig zu neumodisch ist und lieber durch EDV ersetzt werden sollte? Diese gute alte Abkürzung klingt ein wenig nach Lochkartenrechner und passt auch viel besser zu den Glasspritzen.

Nun muss ich mir nur noch schnell einen Chemie-Baukasten zulegen und einen eigenen Impfstoff entwickeln, bis neulich,

Witz Witzkewitz.

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