Bauern suchen den Dialog

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Der „Niedersächsische Weg“ ist eine weitreichende Vereinbarung zum Schutz von Umwelt und Natur, die zwischen Bauern, Umweltverbänden und der Landesregierung im Juni besiegelt worden ist. Alle beteiligten Organisationen hatten für eine Einigung Abstriche von ihren, zunächst weit auseinanderliegenden, Standpunkten machen müssen.

Das Ergebnis ist ein verbesserter Arten- und Biotopschutz, der aber der hiesigen Landwirtschaft auch die Luft zum Atmen lässt. Eine solche Übereinkunft, bei der auch tiefe Gräben überwunden werden mussten, ist bisher deutschlandweit einmalig. Die entsprechenden, dafür notwendigen, Gesetzesänderungen werden spätestens in zwei bis drei Monaten vorliegen

Umso erstaunter und verärgerter sind Niedersachsens Landwirte darüber, dass Bündnis´90/Die Grünen und der Naturschutzbund (NABU) weiter Unterschriften für ein sogenanntes Volksbegehren sammeln. Der Vorsitzende des Landvolk Braunschweiger Land, Ulrich Löhr, zog den Vergleich: „Der NABU ist wie ein frisch verlobter Bräutigam, der aber trotzdem noch auf allen Dating-Portalen aktiv ist.“

Ein für die Unterschriftensammlung gecharterter Tour-Bus machte jetzt Station in Braunschweig. Deshalb suchte eine Gruppe von Landwirten unter der Leitung von Manfred Walkemeyer, Landwirt in Braunschweig und Mitglied im Vorstand des Landvolkes Braunschweiger Land den Dialog mit den vor Ort um Unterschriften werbenden Personen.

Schnell stellte sich leider im Gespräch heraus, dass die Unterschriftensammler nur sehr ungenügend über die dem Volksbegehren zu Grunde liegenden Gesetzesgrundlagen informiert waren und fast nichts über den „Niedersächsischen Weg“ wussten.

Nach dem Gespräch äußerte sich Manfred Walkemeyer sehr enttäuscht über den fehlenden fachlichen Hintergrund der Unterschriftensammler. „Hier wird mit platten Parolen Politik gegen die Landwirtschaft gemacht. Wir fordern den NABU auf, sich weiter intensiv bei den Gesprächen einzubringen und das populistische Volksbegehren aufzugeben.“

„Für uns Bauernfamilien ist eine intakte Natur Lebensgrundlage, aber wir sind nicht bereit einseitig die Lasten zusätzlicher Auflagen zu tragen. Wie wichtig eine funktionierende, heimische Versorgung mit nachhaltig erzeugten Lebensmittel ist, haben die kritischen Wochen zu Beginn der Corona-Pandemie gezeigt“. So äußerte sich der teilnehmende Landwirt Christian Telge aus Hondelage.

„Das Volksbegehren würde unsere bäuerlichen Familienbetriebe einseitig belasten und dazu führen, dass in Zukunft nur noch wenige Großbetriebe hier Lebensmittel produzieren. Das wäre für viele junge Landwirtinnen und Landwirte sowie für den gesamten ländlichen Raum fatal“, fasste Bernd-Henning Hampe die potentiellen Folgen dieses Volksbegehrens zusammen.

Bildunterschrift:

Braunschweiger Landwirte im Austausch zum „Niedersächsischen Weg“

v.l.n.r. Volker Meier (GF Landvolk Braunschweiger Land); Heinrich Pape (Landwirt aus Mascherode); Manfred Walkemeyer (Landwirt aus Braunschweig und Vorstand Landvolk); Bernd-Henning Hampe (Landwirt aus Rautheim); Christian Telge (Landwirt aus Hondelage)