Boden ist nicht beliebig vermehrbar

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Der Boden, auf dem wir stehen, bauen oder fahren, ist für unser Leben auf der Erde ebenso elementar wichtig wie frische Luft und sauberes Wasser. „Wir leben in Niedersachsen im wahrsten Sinne des Wortes auf gutem Grund“, so Umweltminister Olaf Lies. Damit das auch für unsere Kinder und Enkel so bleibt, hat das Kabinett am (heutigen) Dienstag ein landesweites Aktionsprogramm zum Schutz der Böden zur Kenntnis genommen.

„Dass Böden grundsätzlich ein schützenswertes und kaum vermehrbares Gut sind, darüber sind wir uns alle einig“, so Lies. „Aber im Alltag scheint er für viele immer noch beliebig vermehrbar. Für die Zukunft muss es daher vor allem um die Frage gehen, wieviel Bodenverluste wir uns erlauben können und wollen, ohne einerseits die land-, forst- und übrige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu gefährden und andererseits unseren folgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen.“

Die Vielfalt an Böden ist in Niedersachsen groß, im Vergleich zu anderen Bundesländern nimmt Niedersachsen damit eine besondere Rolle ein: Vom wenig entwickelten Rohboden bis zur tief entwickelten fruchtbaren Schwarzerde, vom schweren Tonboden bis zum leicht zu bearbeitenden Sandboden, vom Moorboden bis zum Mittelgebirgsboden – diese Böden sind in Niedersachsen zu finden. Die Menge an Erde, die ein Bagger in einer Minute ausgräbt, hat viele Jahrhunderte benötigt, um Boden zu werden. Genauer gesagt: Mindestens 100 Jahre dauert es im Durchschnitt, bis ein Zentimeter Boden entsteht. Umweltminister Lies: „Fakt ist: Die wichtige und lebensnotwendige Ressource Boden ist nicht beliebig vermehrbar und wird durch uns Menschen stark in Anspruch genommen, verändert und zerstört.“

Böden spielen aber auch bei der Eingrenzung des Klimawandels und bei Klimaanpassungsmaßnahmen eine maßgebliche Rolle. So wurden landesweit 2018 täglich etwa sieben Hektar Boden in Siedlungs- und Verkehrsfläche umgewandelt, das entspricht rund zehn Fußballfeldern pro Tag. „An dieser Stelle bedeutet der Verlust an Böden gleichzeitig den Verlust ihrer klimaregulierenden Wirkung – vor allem in unseren Städten“, so Umweltminister Lies. Außerdem weisen weit über 20 Prozent aller in Niedersachsen landwirtschaftlich genutzten Flächen ein hohes bis sehr hohes potenzielles Bodenerosionsrisiko auf. Kommt es zu Starkregen, drohen die Böden „den Bach runter zu gehen“ oder nach langen Trockenphasen „vom Winde verweht“ zu werden. Auf rund 25 Prozent der Landesfläche gibt es zudem Böden mit einer sehr hohen bis äußerst hohen Verdichtungsempfindlichkeit. Im schlimmsten Fall wird das eigentlich poröse Gefüge natürlicher Böden zusammengedrückt. Ähnlich wie bei einem Schwamm geht die Speicherfähigkeit von Wasser verloren. „Das Hochwasserrisiko steigt und die herabgesetzte Wasserleitfähigkeit kann zu einer Verringerung der Grundwasserneubildung führen – und das bei ohnehin weniger Niederschlägen im Sommer“, so Lies.

Im Aktionsprogramm Bodenschutz werden die dringlichsten Handlungsfelder beschrieben und entsprechende Ziele formuliert. Sie sollen – neben der Vorstellung der wichtigsten rechtlichen Bedingungen – den Rahmen für ein planvolles Vorgehen in Politik und Verwaltung zum Schutz des Bodens bilden und der Wirtschaft sowie dem privaten Bereich landesweit Informationen zur Orientierung geben. Übergeordnet wird das Aktionsprogramm von den Leitbildern des Bodenschutzes in Niedersachsen getragen: Keine Verschlechterung der natürlichen Leistungen der Böden, Freiraumsicherung für spätere Generationen und Wiederherstellung von beeinträchtigten Böden.

„Mit unserem Aktionsprogramm Bodenschutz lenken wir die Aufmerksamkeit auf eine – neben Luft und Wasser – ebenso lebensnotwendige sowie begrenzte und kaum erneuerbare Ressource – die dünne Haut unserer Erde“, so Umweltminister Lies. „Wir bündeln mit diesem Programm landesweit die Belange des Bodenschutzes und setzen damit ein wichtiges Ziel aus der Nachhaltigkeitsstrategie und der Naturschutzstrategie für Niedersachsen um.“