DRK veranstaltete Austausch zur Relevanz der Migrationsberatung

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Wolfenbüttel. „Neuzugewanderte haben in Deutschland auch nach mehrjährigem Aufenthalt Beratungsbedarf – und dies in allen Lebenslagen.“ Diese Aussage stand im Fokus des diesjährigen Aktionstages der Migrationsberatung für Erwachsene Zuwanderer (MBE) – einem Angebot der Flüchtlings- und Migrationshilfe im DRK-Kreisverband Wolfenbüttel. „Wir brauchen Zuwanderung, und diese Zuwanderung muss strukturiert werden“, erklärt Ullrich Kuball, Ehrenamtlicher in der Migrationsberatung.

Mit dem Aktionstag sollte auf die sozialpolitische Relevanz der MBE-Stellen aufmerksam gemacht werden. „Das ist derzeit besonders wichtig, weil auf Bundes- und Landesebene mit Kürzungen in der Beratung zu rechnen ist“, sagt Aline Gauder, Fachleitung der Flüchtlings- und Migrationshilfe. In Wolfenbüttel bietet das DRK die MBE-Beratung als Anlaufstelle seit 2019 an. Dabei können die Beraterinnen auf ein großes Netzwerk von Ehrenamtlichen zurückgreifen. „Ohne die Unterstützung durch das Ehrenamt wäre eine individuelle Beratung und Begleitung nicht möglich. Diese wird auch in Zukunft eine hohe Relevanz haben“, erklärt Gauder.

Für den Aktionstag ermöglichte das DRK es jetzt in einem besonderen Austauschformat mit Entscheidungsträgern, Ehrenamtlichen und Klienten der MBE, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Unser Wunsch war es, nicht über unsere Zielgruppe zu sprechen, sondern ihnen selbst die Chance auf gemeinsame Diskussionen zu geben“, berichtet Frederike Schwieger, MBE-Beraterin im DRK. So war es möglich, dass die Teilnehmenden die Perspektiven der anderen Seiten kennenlernen und über die Notwendigkeit von Beratung sprechen konnten. Dabei kamen in aufeinanderfolgenden Runden Entscheidungsträger, Neuzugewanderte und Ehrenamtliche zusammen.

„Ohne die Beratung wäre ich jetzt noch nicht so weit. Vor allem Frauen mit Kindern brauchen dieses Angebot und die Unterstützung, auch wenn sie schon einige Jahre in Deutschland sind“, sagt Rana Enayatollah in einer solchen Gesprächsrunde. Sie habe dank der Arbeit des DRK schnell Anschluss zu Sprachkursen erhalten und auch beruflich habe ihr die Beratung weitergeholfen. „Viele Menschen kommen aus Kriegsgebieten, sind traumatisiert und leiden an Depressionen“, berichtet sie. Da sei es eine große Hilfe, bei der MBE Fragen stellen zu können. „Ohne Ansprechpartner hat man keine Chance. Es gibt sonst kaum Hilfen zur Orientierung“, sagt Enayatollah.

Lucie Tche Yapi erzählt: „Es dauert einige Jahre, um die Sprache zu lernen und Arbeit zu bekommen, erst dann beginnt man, damit eine Perspektive für sich und seine Familie zu entwickeln. Dann kommen ganz neue Fragen auf, bei denen man ohne die MBE allein dastehen würde.“ Sie engagiert sich in ihrer Gemeinde für andere Neuzugewanderte, insbesondere für afrikanische Familien vor Ort. „Die Sprache ist eine sehr große Hürde. Viele verstehen den Inhalt von Briefen nicht oder wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen“, sagt die gebürtige Ivorerin.

Als Entscheidungsträger war unter anderem Thomas Stoch als Gast in der Runde. Der Geschäftsführer der DRK-inkluzivo Wolfenbüttel gGmbH sagte: „Ein Ziel der Beratung ist es zu vermeiden, dass Subkulturen entstehen. Zudem muss Beratung Individualität stärken und dabei unterstützen, dass Neuzugewanderte ihre individuellen Ziele verfolgen können.“ In einer anderen Gruppe betonte Sylvia Bender, Amtsleiterin Arbeit und Soziales des Landkreis Wolfenbüttel, dass eine respektvolle Beratung auf Augenhöhe von beiden Seiten unerlässlich sei.

Weitere Entscheidungsträger, die beim Aktionstag zu Gast waren: Axel Szybay (stellvertretender Vorsitzender des Präsidiums des DRK) und Juliane Liersch (Leiterin des Eberts Hof). Außerdem hätten bereits weitere Akteure aus dem Landkreis Interesse an solchen Gesprächen signalisiert.

BU: Eine Gesprächsrunde beim MBE-Aktionstag: Aline Gauder (von links), Thomas Stoch, Frederike Schwieger, Rana Enayatollah und Lucie Tche Yapi diskutierten die Relevanz der Beratungsstellen für Neuzugewanderte. Foto: DRK

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