Erntedank in der Corona-Zeit

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Cramme 04.10.2020

Die traditionell am Samstag vor dem Erntedankfest in der Fußgängerzone stattfindende Aktion des Landvolks Braunschweiger Land und des LandFrauenvereins Wolfenbüttel fällt in diesem Jahr leider der Coronapandemie zum Opfer. „Nur wenige Besucher der Innenstadt haben derzeit die Geduld, sich über die aktuelle Agrar-, Umwelt- und Verbraucherpolitik auszutauschen.“

Stattdessen trafen sich Vertreterinnen und Vertreter beider Verbände an einem Rübenfeld in Cramme.

Einig waren sich alle, dass sich das Jahr 2020 vielen Mitbürgern als ein sehr besonderes Jahr einprägen wird. Parallel mit dem Beginn des Pflanzenwachstums im Frühjahr versetzte der Lockdown weite Teile unserer Gesellschaft in Starre. Viele Unternehmen mussten schließen, das Vereinsleben der Landfrauen wurde eine Zeit lang mit Videokonferenzen und Post an die Mitglieder am Laufen gehalten. Seit September finden wieder Präsenzveranstaltungen statt.

Dr. Niels Pelka, Mitglied im Landvolkvorstand, verdeutlichte, dass vielen Menschen bewusst geworden sei, wie wichtig eine regionale Lebensmittelproduktion durch ortsansässige Landwirtschaftsfamilien ist. Ein Abwandern der Produktion ins Ausland durch immer höhere Auflagen sei deshalb unbedingt zu vermeiden. Auch die große Politik habe im Frühjahr diesen Jahres die Systemrelevanz der Landwirtschaft erkannt. Die hiesigen landwirtschaftlichen Betriebe konnten ihre Arbeiten auf dem Feld und in den Ställen weiterführen. Durch große Anstrengungen in den Zulieferketten für notwendige Betriebsmittel wie Saatgut, Futtermittel und Dünger gab es bis zum heutigen Tag nur geringe Probleme bei der Arbeitserledigung. Leider hielt die politische Erkenntnis zur landwirtschaftlichen Systemrelevanz nur ein paar Wochen an.

Andrea Schwetje, Vorsitzende des LandFrauenvereins Wolfenbüttel, freut sich über die gestiegene Nachfrage nach regionalen Produkten, möglichst direkt beim Landwirt. „Das Angebot ist je nach Saison sehr abwechslungsreich. Zur Zeit sind Kürbisse in allen Variationen auf dem Markt, unzählige Kohlsorten, und neben Porree, Möhren und Sellerie, Äpfel und Birnen und die sogenannte „Zitrone des Nordens“, die Kartoffel. Wir können unseren Speiseplan mit Obst und Gemüse aus der Region abwechslungsreich und gesund gestalten. Es stehen nicht zu jeder Jahreszeit alle Sorten zur Verfügung, die Erntesaison gibt vor, was auf den Markt kommt. Die Erdbeersaison zum Beispiel ist vorbei, jetzt werden Äpfel und Birnen geerntet. Bald kommt dann auch der so beliebte Braunkohl, aufgrund des hohen Vitamin- und Mineralstoffgehaltes auch „Superfood“ genannt. Beim Einkauf dieser Produkte müsse überlegt werden, was und in welchen Mengen zum Verzehr benötigt wird. „In Deutschland werden viele gute Lebensmittel in den Müll geworfen, das darf nicht sein!“ Nur verdorbene Lebensmittel gehören in die Mülltonne. Alles andere kann und muss verwertet werden, das schont die Natur, die Umwelt und das Portemonnaie.

Alle Anwesenden hoben die Unterzeichnung der Vereinbarung „Niedersächsischer Weg“ durch Vertreter von Landwirtschaft und Umweltverbänden als positiv hervor. Volker Meier, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Wolfenbüttel, fügte an, dass man sich offensichtlich auf Landesebene etwas von der guten Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Umweltverbänden im Landkreis Wolfenbüttel abgeschaut habe.

Umso mehr waren alle Anwesenden enttäuscht, dass der NABU, trotz seiner Unterschrift unter dieser Vereinbarung, das Volksbegehren zum Artenschutz zusammen mit der Partei Bündnis90 – Die Grünen weiter vorantreibe. Dieses Verhalten sei so glaubhaft, wie das eines frischverlobten Bräutigams, der weiter auf allen Datingportalen aktiv sei.

Die diesjährige Ernte im Landkreis fällt genau so unterschiedlich aus, wie die Niederschlagsverteilung im Frühjahr und Sommer. Da wo ein Regenschauer mehr gefallen ist, sind Erträge besser, da wo es weniger geregnet hat, ist die Ernte unterdurchschnittlich. „Mit diesen naturgegebenen Unterschieden kam die Landwirtschaft schon immer klar. Die zunehmende Schärfe von vielen Auflagen durch die Politik führten jedoch automatisch zu flächendeckenden Einbußen auf den Betrieben. Die fehlenden Möglichkeiten diese am Markt auszugleichen heizt den Strukturwandel immens an und sorgt insbesondere bei der jüngeren bäuerlichen Generation für viel Verdruss“, so Dr.  Niels Pelka.

v.l. Dr Niels Pelka, Renate Sagle + Andrea Schwetje (Landfrauen), Volker Meier (Landvolk)