„Erste Hilfe erlebbar machen“ – Das Motto des DRK für die Ausbildung des Schulsanitätsdienstes

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Wolfenbüttel. Schulsanitäter, das ist mehr als ein Hobby im Schulalltag. Die in Erster Hilfe ausgebildeten Schülerinnen und Schüler sorgen für Sicherheit und entlasten die Lehrkräfte. „Man übernimmt eine große Verantwortung in der Gemeinschaft“, fasst Aline Gauder als Ehrenamtskoordinatorin des DRK-Kreisverbandes Wolfenbüttel zusammen. Nach der pandemiebedingten Unterbrechung konnten 17 wissbegierige Schülerinnen und Schüler der IGS Wallstraße endlich wieder eine Fortbildung in Erster Hilfe wahrnehmen. Das DRK möchte Schulen auch zukünftig unterstützen und weist darauf hin, dass der auch pädagogisch wertvolle Auf- und Ausbau eines Schulsanitätsdienstes finanziell gefördert werden kann. Auch könne die Qualifikation als Schulsanitäter/-in ein Türöffner für eine Karriere im medizinischen Bereich sein.

Lehrerin Tanja Gerlach gründete den Schulsanitätsdienst der IGS Wallstraße auf Initiative des DRK im Jahr 2016 mit zunächst neun, dann zwölf, heute ganzen 17 Schülern. Sie alle brennen für das Retten von Leben – viele engagieren sich auch privat in Feuerwehren und Vereinen. „Die sind schon recht professionell“, staunt Lehrer Marco Sormas, der den Kursus von DRK-Ausbilder Kai Schwarz für eine Auffrischung seines eigenen Wissens besucht. Er lobt den stark praxisorientierten Ansatz des erfahrenen DRK-Ausbilders: In einem Treppenhaus wird mit der realistischen Unfalldarstellung geprobt, wie ein Schüler einen schwer Verletzten fast professionell versorgt. Im Nebenraum wird Reanimation geübt.

Das alles wechselt Schwarz gekonnt mit dem nötigen medizinischen Hintergrundwissen ab: „Ich versuche, den Schülern die Erste Hilfe erlebbar zu machen. Einfach handeln, statt Argumente zu finden, etwas nicht zu machen. Die Schüler müssen nicht wissen, wie ein Herz aufgebaut ist. Sie müssen wissen, was man macht, wenn es nicht funktioniert.“ Gesagt, getan: Die Lektion zur Funktion des Sinusknotens dauert nicht lange, dann wird mit dem Defibrillator geübt – an einer Puppe mit einem kleinen Anzeigefeld, das den richtigen Druck bei der Herzdruckmassage anzeigen soll. „Herr Schwarz, diese Anzeige funktioniert bei uns nicht“, ruft ein Schüler in Richtung des Dozenten. „Oma Kasuppke hat auch keine Anzeige auf dem Bauch!“, entgegnet dieser. Einleuchtend für die Schüler, die reanimieren weiter.

„Die Schüler sind sehr engagiert dabei. Viele machen das schon ein paar Jahre“, hebt Schwarz hervor. Seine Philosophie beim Lehren: „Wir machen was und lernen beim Machen durch Erfolg und Misserfolg. Wenn etwas nicht funktioniert, suchen wir nach Lösungen und machen Plan B.“ Schwarz unterrichtet seit 20 Jahren Menschen aller Altersgruppen in Erster Hilfe, „vom Kindergarten bis ins Altenheim“. In der Jugend seien die Kurse nach Meinung von Schwarz jedoch besonders wichtig und fruchtbar: „Im Kindergarten fängt es mit einfachen Übungen an. Später dann ein Kursus für die Fahrradprüfung in der Grundschule. Beim Schulsanitätsdienst kriegen sie dann wieder einen Erste-Hilfe-Kursus und für den Führerschein bedarf es je nach Alter einer erneuten Auffrischung. Dann waren sie als junge Erwachsene schon drei Mal in so einem Lehrgang. Für diese Menschen ist Helfen dann ganz normal.“

Schulsanitätsdienst-Leiterin Gerlach ist erleichtert, dass die Ausbildungskurse endlich wieder stattfinden. Die 17 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler stammen aus den Jahrgängen 8 bis 10 – bei jedem Schulabschluss scheiden Sanitäter aus. „Es ist wichtig, dass es jährliche Fortbildungen gibt, damit die Neuen die Grundlagen haben und die Älteren es vertiefen und wiederholen“, hebt die Lehrerin hervor.

Aline Gauder meint: „Wenn man selbst in einer Notsituation ist und Hilfe braucht, wünscht man sich, dass schnell jemand kommt. Es ist wichtig, früh für Erste Hilfe zu sensibilisieren. Wir bieten Kurse zur ersten Heranführung bereits in der Grundschule an.“

Zu Notsituationen kommt es laut Gerlach im Schulbetrieb öfter, als man glaubt. Doch selbst die Übergabe an einen Rettungswagen sei für die DRK-Schulsanitäter Routine. Die Leiterin des Schulsanitätsdienstes erklärt: „In den Pausen kommt es besonders oft zu Verletzungen oder Unfällen. Es entlastet die Lehrerschaft, wenn Schüler sich selbst kümmern, und es ist gut für die Schüler selbst, Verantwortung zu übernehmen.“ Viele hätten bereits eine Vorbildung durch Vereine, die Feuerwehr oder das DRK und wollen später im medizinischen Bereich arbeiten. „Wer Freude am Helfen hat und nach dem Schulabschluss damit weiter machen möchte, hat auch die Möglichkeit, in die DRK-Bereitschaft zu kommen. Das richtige Handwerkszeug dafür bieten wir hier“, lädt Gauder ein und fährt fort: „Der Schulsanitätsdienst sorgt somit nicht nur für Sicherheit in Notsituationen in der Schule, sondern ist auch eine tolle Heranführung für das Ehrenamt in der Bereitschaft des DRK und damit eine aktive Nachwuchsförderung. Hier werden helfende Hände immer benötigt“.

Nach dem Rückschlag durch die Pandemie will das DRK nun wieder verstärkt in die Ausbildung gehen und wirbt dafür an den Schulen. Diese, so Gauder, könnten sich den Aufbau eines Schulsanitätsdienstes finanziell fördern lassen. „Die gesetzliche Unfallversicherung (GUV) gibt eine Anschubfinanzierung und fördert auch Materialien. Bei nachgewiesener Bedürftigkeit können darüber hinaus auch weitere Gelder bereitgestellt werden.“ Interessierte Schulen können sich für eine Beratung an das DRK wenden: 05331/9750-212