„Exer2020“ bekommt auch finanziell grünes Licht

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Delegiertenversammlung des DRK-Kreisverbandes hörte beruhigende Zahlen. Vorstand und Präsidium entlastet.

Wolfenbüttel. “Die vergangenen anderthalb Jahre waren eine harte Zeit für unseren Kreisverband”, sagte Horst Kiehne zur Eröffnung der 75. DRK-Kreisversammlung. Mehr als 30 Delegierte waren dazu nach Wolfenbüttel ins Solferino an den Exer gekommen. Und der Sprecher des Präsidiums unterstrich: “Der Kampf gegen die Folgen von Corona war für unseren Verband eine riesige Herausforderung – auf allen Ebenen.”Die Belastungen gingen tatsächlich durch alle Strukturen der Wolfenbütteler DRK-Arbeit: Erste-Hilfe-Ausbildung war von heute auf morgen untersagt, Schulbegleitung musste plötzlich zu Hause stattfinden und das Solferino musste schließen. Andererseits war das Rote Kreuz personell und in puncto Tatkraft stark gefordert, als zunächst im Auftrag des Landkreises ein Testzentrum am Exer eingerichtet werden musste und später die sanitätsdienstliche Betreuung im Impfzentrum des Landkreises sichergestellt wurde. “Obendrein wurden die vergangenen Monate durch personelle Veränderungen in unserem Rettungsdienst geprägt”, schilderte Kiehne. Zu diesem Punkt konnte er im Solferino gleich zwei neue Mitarbeiter vorstellen (siehe Bericht links). “Dass wir diese Phase so gut überstanden haben, verdanken wir dem Einsatz von Björn Försterling, Thomas Stoch und Uwe Rump-Kahl”, betonte der Präsidiumssprecher.

Vorstand Andreas Ring berichtete, der Kreisverband und seine Tochterunternehmen seien gut durch die Pandemie gekommen – in allen Abteilungen wurden Hygienekonzepte geschaffen und mit großer Wachsamkeit umgesetzt. Somit verhinderte das DRK größere Personalausfälle. “Durch Zuschüsse vom Bund und von der Aktion Mensch hat sich die Gesamtleistung auf dem Niveau von 2019 eingependelt. Dadurch waren wir erneut in der Lage, in unsere Mitarbeiter zu investieren.”

Im Übrigen sei jetzt ein interner Umbau abgeschlossen, so Ring weiter. Der Kreisverband kümmere sich künftig nur noch um die ehrenamtlichen Bereiche, während alle andere Tätigkeitsfelder von den Tochterfirmen betreut würden. “Etwaige Überschüsse führen sie an den Kreisverband ab, der damit seine Aufgaben als Wohlfahrtsverband finanziert.”

Hocherfreut meldete der Vorstand, dass tags zuvor die Darlehnszusage der Bank für die Finanzierung des Neubaus “Exer 2020” an der Mascheroder Straße eingetroffen sei. “Das war der letzte noch fehlende Mosaikstein, bevor in Kürze die Bagger kommen.” Die Maßnahme gliedert sich in drei Bauabschnitte, wobei der erste nun umgesetzt wird. Ring bezifferte das Bauvolumen auf rund neun Millionen Euro. Sie setzen sich zusammen aus Eigenkapital, Fördermittel und rund fünf Millionen Euro Darlehn. “Durch diesen Neubau wird sich unsere Bilanzsumme etwa verdoppeln.” Der Haushalt für das Jahr 2020 belief sich auf gut neun Millionen Euro. Für die Zahlen wurden Vorstand und Präsidium von der Versammlung einstimmig entlastet.

Das galt später auch für den Haushaltsvoranschlag 2022, obwohl der Vorstand die Delegierten schon auf erwartete Defizite einschwor. “Im Zuge von Corona sind Altkleidersammlungen komplett zusammen gebrochen”, schilderte er – kündigte aber für das Frühjahr 2022 eine erste große Sammlung an. Beim Sozio-Med-Mobil laufe es ebenfalls nicht rund. “Das ist ein erfolgreiches Projekt und wir haben viele Anfragen, aber die Verhandlungen mit dem Landkreis über einen Zuschuss für Betriebskosten stecken fest.”

Gebremst wurde durch Corona auch die Erste-Hilfe-Ausbildung, doch da scheint sich eine Wiederbelebung abzuzeichnen: “Wir wollen unseren Neustart erstmals mit einem hauptamtlichen Mitarbeiter bewerkstelligen.” Gerade durch die monatelange Unterbrechung gebe es eine riesige Nachfrage, die allein mit ehrenamtlichen Kräften nicht zu stemmen sei. “Wir schlagen da ein neues Kapitel der Ersten Hilfe in Wolfenbüttel auf.”

Zur Lage des Rettungsdienstes trug diesmal Björn Försterling vor, der kommissarische Geschäftsführer. Er freute sich, dass 14 Tage zuvor ein zusätzlicher Krankentransportwagen in Dienst gestellt werden konnte. “Das bedeutet eine spürbare Entlastung für die Rettungswagen, die nun weniger Krankentransporte erledigen müssen.” Einen weiteren Schritt nach vor erwartet er in der nächsten Woche, wenn der neue Bedarfsplan mit dem Landkreis diskutiert werde.

Am Ende der Sitzung kündigte Horst Kiehne an, bei den Neuwahlen 2022 nicht wieder für das Amt des Präsidiumssprechers zu kandidieren. Er sei dann 16 Jahre in dieser Funktion tätig gewesen, und nun sei es Zeit für Jüngere. Er nannte seinen bisherigen Stellvertreter Björn Försterling als Vorschlag für seine Nachfolge. “Dieser Vorschlag ist im Präsidium bereits abgestimmt.”

DRK in Zahlen:
– 27 Ortsvereine sind Mitglied des Kreisverbandes Wolfenbüttel.
– Im Landkreis Wolfenbüttel gibt es rund 5300 DRK-Mitglieder.
– 840 Ehrenamtliche engagieren sich in den unterschiedlichsten DRK-Projekten.
– Der DRK-Kreisverband und  seine Tochterunternehmen beschäftigen 447 hauptamtliche Mitarbeiter.

Foto: Zum Abschlussfoto trafen sich die Delegierten und Mitarbeiter vor dem Solferino.  Foto: DRK

Titelfoto:  Blumen gab es von Vorstand und Präsidium (von links): Vorstand Andreas Ring, Aline Gauder (neue Ehrenamtskoordinatorin), Präsidiumssprecher Horst Kiehne, Steffen Tegtmeyer, Daniel Schulte und Björn Försterling, kommissarischer Geschäftsführer des Rettungsdienstes. Foto: DRK