Fachkräftemangel wird zur Gefahr für Baubranche im Kreis Wolfenbüttel

0
326

19 Stellen über 90 Tage lang unbesetzt | IG BAU: Berufe attraktiver machen

Pressemeldung: IG Bau 15.07.20

Handwerker gesucht: Der Mangel an Fachkräften könnte für Baufirmen im Landkreis
Wolfenbüttel in den nächsten Jahren zu einem ernsten Problem werden. Davor warnt die
IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für
Arbeit. Danach gibt es in den Bauberufen immer größere Schwierigkeiten, Personal für
offene Stellen zu finden. Im vergangenen Jahr blieben im Kreis Wolfenbüttel 19 Stellen
in der Branche länger als 90 Tage unbesetzt.

„Ob es um den Bau von Wohnungen und Straßen oder die Sanierung von Brücken geht
– viele Firmen arbeiten wegen der anziehenden Nachfrage längst am Limit. Und das
sogar in Zeiten von Corona. Um die Aufträge zu bewältigen, müssen sie jetzt in die
Fachleute von morgen investieren“, sagt Karl-Heinz Ehrenberg, Bezirksvorsitzender der
IG BAU Braunschweig-Goslar. Die Branche müsse jedoch deutlich attraktiver werden.
Das fange bei einer besseren Bezahlung an, so Ehrenberg. In der laufenden Tarifrunde
für das Bauhauptgewerbe fordert die Gewerkschaft ein kräftiges Lohn-Plus. Außerdem
soll die lange, bislang meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden.

„Aktuell erleben wir einen regelrechten Facharbeiter-Schwund. Drei Jahre nach der
Ausbildung haben im Schnitt zwei von drei Bauarbeitern ihre Branche verlassen. Der
Trend muss unbedingt gestoppt werden“, betont Ehrenberg. Neben höheren Löhnen und
besseren Arbeitsbedingungen komme es dabei auch auf ein gesundes Betriebsklima an.
Beschäftigte vermissten häufig Respekt und Anerkennung für ihre Leistung. „Kein
Wunder, dass sich mancher da nach einem anderen Beruf umschaut“, so Ehrenberg.

Wie sehr der Fachkräftebedarf in Zukunft anwachsen könnte, zeigt eine Studie der
Sozialkassen des Baugewerbes (SOKA-BAU). Danach dürften in den nächsten zehn
Jahren bundesweit 150.000 Bau-Beschäftigte in Rente gehen. Das ist jeder sechste
Arbeitnehmer in der Branche.