Fantastisches Orgelspiel in der Weddeler Abendmusik

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Fantasien und Fantastereien“ – so war der Titel des Orgelkonzertes in der Christuskirche Weddel im Rahmen der Weddeler Abendmusik. Und die Orgel ist dafür „flexibel genug“, wie Propsteikantor Matthias Wengler zu Beginn erklärte. Er bot wahrlich Fantastisches, wie auch ein weiterer Themenblock überschrieben war. Als fantastisch stufte Wengler den an Jahrmarktsmusik erinnernden „Boléro de concert“ von dem französischen Komponisten L.J.A. Lefébury-Wély (19. Jahrhundert) ein, ebenso zwei für Orgel von ihm selbst arrangierte Sätze aus einem „Divertimento for Orchestra“ von L. Bernstein. Belustigend wirkte dabei der Gang eines Truthahns im „Turkey Trot“, irritierend der „Waltz“ im 7/8-Takt, der aber so viel typische Anklänge an den Wiener Walzer hat, dass man dennoch mit genügend Fantasie stilecht nach ihm tanzen könnte.

Dass die Fantasie als ein freies Format schon im Barock ihrem Namen Rechnung trug, bewies gleich die dreiteilige Fantasie in G-Dur von J.S. Bach. Auf einen aus präludierenden einstimmigen Läufen bestehenden ersten Teil folgt als Kontrast, geradezu bezugslos ein im vollen Registerklang sich vollziehender Abschnitt, dessen immense harmonische Entwicklung in vollen Akkorden in einen spannungssteigernden Orgelpunkt mündet, der zum jähen Abbruch durch einen Trugschluss führt – von da aus sucht sich das Stück einen kühnen Weg zu seiner harmonischen Auflösung über einen chromatischen Abstieg im Pedal und aufstrebenden Arpeggien im Manual, bis das harmonische Ziel endlich erreicht ist und triumphieren kann. Mehr Kühnheit geht im Barock nicht. Die sich anschließende Klavierfantasie in d-moll von W.A. Mozart, nach seinem Tod vollendet von Abbé Stadler, arrangierte Wengler für Orgel. Die anmutig-traurige, trauermarschartig begleitete, im Selbstbezug versonnen vor sich hinsingende Melodie löst sich nach einiger Zeit in kleine Bewegungseinheiten auf. Sie wird dann durch ein präludierendes Presto mehrmals unterbrochen, bis ein unerwartet fröhlicher Dur-Abschnitt das Spiel beendet.

Das freie Spiel der Form mit ihren Brüchen und Auflösungen, dem scheinbar improvisatorischem Spiel wird zum Prinzip der Fantasie. Die „Troisième Fantaisie pour Orgue op. 157“ von Camille Saint-Saëns spielt intensiv mit einem sich Verlieren und Auflösen fester Klangbilder in leise Zwischentöne und erinnert damit geradezu an Maltechniken des französischen Impressionismus.

Im letzten Abschnitt erfreute Wengler das Publikum mit für Orgel arrangierten „Fantastereien über Fimmusik“. Hier war die eigene Fantasie gefragt, sich die passenden Filmszenen vorzustellen, was denn auch bei den bekannten Filmmusiken wie „The think Panther“, „Miss Marple-Theme“ oder „Moon River“ aus „Frühstück bei Tiffany“ problemlos gelang.

Wieder einmal war die Weddeler Christuskirche gut gefüllt. Es ist bekannt, dass Matthias Wengler unerwartete Orgelliteratur zusammenstellt und im Rahmen seiner Konzerte durch Moderation persönlichen Kontakt zum Publikum aufnimmt. Das gefällt und so entließ das dankbare Publikum Matthias Wengler erst nach zwei Zugaben.

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