Frank Denecke – Ortsheimatpfleger von Schandelah

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„Was eigentlich ist die genaue Aufgabe eines Ortsheimatpflegers?“

Frank Denecke, der dieser Aufgabe seit 2006 nachkommt, lässt sich Zeit mit der Antwort. Gute Frage, das hätte er auch gern gewusst, er kümmere sich vor allem um das Vereinsleben von Schandelah, denn gerade freiwillige Tätigkeiten seien unverzichtbar für das Gemeinwesen und außerdem erfüllten Vereine über die eigentliche Vereinsarbeit hinaus noch ganz andere Aufgaben.

Er sieht das Fragezeichen in meinem Gesicht, beobachtet mich aufmerksam, will sichergehen, dass ich ihm folgen kann. Beispielsweise der Kyffhäuserbund, der dem deutschen Landes-Krieger-Verbund angehört, sei wohl eher als eine therapeutische Einrichtung zu verstehen, eine Selbsthilfegruppe, auch wenn er nicht als solche gegründet worden sei. Damals gab es sicherlich die gleichen Kriegstraumata wie heute, sie wurden aber weder als solche erkannt, noch anerkannt, die ehemaligen Soldaten wurden mit ihren Erlebnissen allein gelassen und von niemandem ernst genommen, außer von ihresgleichen. Bei ihren Zusammenkünften konnten sie sich über ihre Erlebnisse austauschen und trafen auf Verständnis, denn sie konnten sich Menschen mitteilen, die das gleiche oder Ähnliches erlebt hatten und darüber reden hilft, aber nur dann, wenn man auch verstanden wird. Ja, auch gemeinsames Singen konnte helfen, so etwas nenne man Kameradschaft.

Tja, dachte ich, heute haben wir keinen Krieg mehr, jedenfalls nicht vor der Haustür. Umgehend wurde ich eines Besseren (oder Schlechteren) belehrt. Frank Denecke war lange Jahre Ortsbrandmeister von Schandelah und zu den Aufgaben eines Feuerwehrmannes gehörten auch unangenehme Tätigkeiten zum Job, egal ob hauptamtlich oder freiwillig. Beim alltäglichen Krieg auf unseren Straßen und Autobahnen. Sich darüber mitteilen zu können oder allein schon das Wissen, dass sich andere auch mit diesen Erlebnissen herumplagten, konnte helfen.

Ach ja, er war ja 15 Jahre Stellvertreter und 12 Jahre Ortsbrandmeister gewesen, ob er etwa zurückgetreten sei, weil es immer noch kein neues Feuerwehrgerätehaus in Schandelah gab?

„Nein“. Energisch schüttelte Frank Denecke den Kopf. „Sie dürfen mich jetzt gern zitieren: Lieber in Würde gehen, als warten, bis man vom Hof gejagt wird!“

Warum aber braucht Schandelah dringend ein neues Feuerwehrgerätehaus? Vor 5 Jahren hatte die FUK festgestellt, dass hier Gefahr für Leib und Leben der Feuerwehrleute drohe. Gemeinsam schauen wir es uns das jetzige von außen an. Bei Alarm müssen die Fahrzeuge nach draußen gefahren werden, links und rechts der Außenspiegel sind gerade mal 5 cm Platz, in das von außen rechts stehende Fahrzeug muss der Fahrer vom Beifahrersitz einsteigen und sich auf den Fahrersitz schwingen, das dürfte in Deutschland einmalig sein. Erst wenn die Fahrzeuge draußen stehen, können die Kameraden sich umziehen, zusteigen und erst dann kann ausgerückt werden.

Wie war das noch mit den im Unfallfall entscheidenden Minuten?

Frank Denecke ist von seinen Nachfolgern überzeugt und ist sich sicher, dass sie den nötigen Druck machen werden, um das Versprechen eines neuen Feuerwehrgerätehauses Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir sprechen noch über die Jugendarbeit, Schandelah habe bei der Jugendfeuerwehr keine Nachwuchsprobleme, dies sei aber kein Selbstläufer, die Arbeit mit Kindern sei schon anstrengend, aber diese Anstrengung lohne sich durchaus. Wir streifen noch diverse weitere Themen: Die zahlreichen Prüfungen, die ein Feuerwehrmann regelmässig abzulegen hat, die gute Gemeinschaft der Ortsheimatpfleger in unserer Gemeinde und nicht zuletzt der örtliche Karnevalsverein, der 1861 gegründet wurde, ein Jahr früher als der in Braunschweig.

Frank Denecke ist sichtlich stolz über seinen Ort, aber durchaus auch in der Lage, über den Tellerrand hinaus zu blicken.