Kein weißer Fleck mehr im Rettungsdienst in Cremlingen

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Unsinnige Alarme belasten den Rettungsdienst

Bedarfsplan zwischen DRK und Landkreis ist neu geregelt. Gemeinde Cremlingen ist nun kein weißer Fleck mehr.

Wolfenbüttel. Das dürfte vor allem die Menschen in und um Cremlingen freuen: Durch die Neufassung des Bedarfsplans für den Rettungsdienst wird nun auch der Bereich ihrer Gemeinde mit einem zusätzlichen Rettungswagen bedient. Der Landkreis Wolfenbüttel als Träger des Rettungsdienstes hatte im Frühjahr den neuen Bedarfsplan nach längeren Verhandlungen mit den Krankenkassen beschlossen.  “Durch eine zeitliche Neugliederung unserer Kräfte sind im Nordosten des Landkreises, einschließlich der Stadt Wolfenbüttel, nun sogar drei Fahrzeuge im Einsatz”, erläutert Daniel Schulte, Geschäftsführer der DRK-Rettungsdienst Wolfenbüttel gGmbH.

Im Moment sei man auf der Suche nach einer geeigneten Wache. “Bis sie einsatzbereit ist, steht der Rettungswagen in Wolfenbüttel am Exer. In zwei Schichten sind jeweils zwei Kollegen 24 Stunden täglich für die Cremlinger da.” Der Bereich an der Autobahn 39 und der Bundesstraße 1 ist besonders verkehrsintensiv. Damit die Eintreffzeiten gehalten werden können, wäre eine zügige Stationierung des Fahrzeugs in Cremlingen wünschenswert.

Grundlage für die Neuregelung ist das Niedersächsische Rettungsdienstgesetz. Dort ist festgelegt, dass Einsatzorte am öffentlichen Straßennetz in 95 Prozent der Alarmierungen innerhalb von 15 Minuten durch die Hilfskräfte erreicht werden müssen. Doch im Cremlinger Raum, der am weitesten von der Kreisstadt entfernt liegt, gab es zu den Hilfsfristen sozusagen einen weißen Fleck auf der Rettungslandkarte: Das DRK hatte schon seit Jahren darauf hingewiesen, dass die Eintreffzeiten häufig nicht der gesetzlichen Vorgaben entsprachen.

Nun wurde also die Neuregelung genehmigt. “Das war höchste Zeit, denn der Bedarf an Rettungsdienstfahrten steigt leider ständig”, erklären Schulte und Steffen Tegtmeier, der den DRK-Rettungsdienst in Wolfenbüttel leitet. Einerseits gebe es tatsächlich mehr notwendige Alarmierungen, die Gründe lägen unter anderem im demografischen Wandel der Bevölkerung. “Allerdings haben wir auch eine ganze Reihe von Notrufen, die eigentlich keine Notrufe sind und auch vom ärztlichen Bereitschaftsdienst bearbeitet werden könnten.”

Beispielsweise sei es nicht nötig, bei Beschwerden außerhalb der Öffnungszeiten des Hausarztes gleich den Rettungsdienst zu rufen. “Sinnvoller ist ein Anruf unter der bundesweit einheitlichen Nummer 116117”, betont Schulte. Dort melde sich der kassenärztliche Notdienst, der die weiteren Schritte einleite und nötigenfalls auch Hausbesuche durchführe.

Zudem räumt Tegtmeier mit einem weit verbreiteten Irrtum auf: “Viele glauben, sie kommen im Krankenhaus schneller dran, nur weil der Rettungswagen sie bringt – das ist aber ein Trugschluss, denn es geht dort ausschließlich nach der Schwere der Verletzung oder Erkrankung.” Alarmierungen der unnötigen Art sorgten für viel Arbeit im Rettungsdienst. “Verkehrsunfälle zum Beispiel spielen in unserem Alltag kaum eine Rolle”, schildern die beiden Experten. Gut 80 Prozent der Anrufe kämen aus Haushalten und seien internistischer Natur.

Positiv: Der Wolfenbütteler Rettungsdienst hat neben der Verschiebung im Bereich Cremlingen einen neuen Fahrzeugtyp in Dienst gestellt: den Notfall-Krankenwagen (N-KTW). Er ist für dringende Krankentransporte gedacht, die zwar zügig erledigt werden müssen, es jedoch keine Lebensgefahr für den Patienten besteht und somit kein Rettungswagen mehr gebunden werden muss. “Mit dem N-KTW erweitern wir unser Angebot deutlich”, unterstreicht Schulte. “Dieser Wagen ist nun ebenfalls im Zwei-Schicht-Betrieb 24 Stunden im Einsatz.”

Das alles spielt sich vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ab, unter dem alle Rettungsdienste Deutschlands leiden. “Im Moment haben wir zwar alle Bedarfe gedeckt, aber wir freuen uns immer über Bewerbungen”, rührt der Geschäftsführer die Werbetrommel. Dabei gebe es durchaus reizvolle Konditionen für Quereinsteiger: “In die Ausbildung zum Rettungssanitäter kann man jederzeit einsteigen, sie dauert ein Jahr.” Etwas komplexer sei die Ausbildung zum Notfall-Sanitäter: “Sie dauert drei Jahre. Der Anmeldeschluss für den Ausbildungsstart 2023 ist am 31. Dezember 2022.” Informationen zu diesen Ausbildungen gibt es in Wolfenbüttel unter ausbildung@drk-rettungsdienst-wf.de

Zum Bild: Daniel Schulte (rechts) ist Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes in Wolfenbüttel, Steffen Tegtmeier leitet den Dienst. Foto: DRK