Landwirte aus Wolfenbüttel machen Mahnfeuer an der B 1 in Cremlingen

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Veränderung braucht Luft zum Atmen

Cremlingen an der B 1 / 18.10.19

Der landwirtschaftliche Berufsstand bewertet die aktuellen politischen Entwicklungen als existenzgefährdend. Landwirtschaft vermehrt nur noch als Gefahr angesehen und nicht mehr als das, was sie ist, nämlich der Teil der unserer Wirtschaft, der für gesunde, nachhaltige Lebensmittel sorgtund auf den man auch in einem Industrieland nicht verzichten kann. Deshalb ist das Klima in vielen landwirtschaftlichen Familien im Augenblick verunsichert und frustriert.

Am Freitag dem 18.10.19 lud der Landvolkverband Braunschweiger Land seine Mitglieder und die regional verantwortlichen Abgeordneten aus Land- und Bundestag zu einem Mahnfeuer in der Gemarkung Cremligen ein. Der Vorsitzende des Verbandes Ulrich Löhr begrüßte die ca. 150 anwesenden Gäste. Er verdeutlichte kurz, dass die Summe aller aktuellen neuen Aufgaben und Einschränkungen aus Düngeverordnung, Insektenschutzplan sowie der wachsende globale Wettbewerb die bäuerlichen Familien in der Region überfordert und zu einem massiven Höfesterben führen werden. Danach ergriff Junglandwirt Niels Pelka aus Watzum das Wort. in seiner sachlichen, aber auch von Emotionalität getragenen Ansprache traf er den Nerv seiner anwesenden Berufskollegen und Kolleginnen. Landwirtschaft habe schon immer mit naturgegebenen Umständen leben und wirtschaften müssen. Das Ertragen solcher Schwankungen gehöre zur bäuerlichen Genetik. Wörtlich führte er weiter aus:”Aber diese Politik auf Bundesebene, die sich verhält wie eine Fahne im Wind und uns Landwirte permanent an den Pranger stellt, unfähig ist, mittelfristig Leitplanken für ein gutes Wirtschaften zu setzen, stellt uns täglich vor enorme Herausforderungen. Deshalb ist das Klima in vielen landwirtschaftlichen Familien im Augenblick verunsichert und frustriert.”

Viele Beispiele zeigten, dass sich die Landwirtschaft schon auf den Weg der Veränderung befände. Die steigende Anzahl von direkt vermarktenden Betrieben im Raum Wolfenbüttel macht dies deutlich. Veränderungen brauchen aber auch Luft zum Atmen. Unter großer Zustimmung der Anwesenden führte Pelka weiter aus:”Wir wollen und können es nicht ertragen von der Politik dauernd als Luftverpester, Wasservergifter und Bodenzehrstöhrer diffamiert zu werden!” Dieses Klima des öffentlichen Misstrauen machen es jungen Betriebsnachfolgern schwer, die Entscheidung für die Weiterführung Ihrer bäuerlichen Familienbetriebe zu treffen. Die Umstellung auf Biolandwirtschaft könne ein möglicher Weg der Veränderung sein, aber keine Pauschallösung für alle Betriebe. Sie kann nur dann sinnvoll sein, wenn die erzugten Produkte auch gekauft würden. Derzeit aber stünden die Preise für Bioprodukte unter Druck, weil die Nachfrage nicht Schritt halte.

Flächendeckende Extensivierung auf einem Gunststandort wie Wolfenbüttel führte nur dazu, dass an andere Stelle, wie Südamerika zusätzlich neue Flächen gerodet würden. Starker Beifall der anwesenden Gästen zu Schluss von Pelkas Ausführungen zeigte deutlich auf, dass der Watzumer Junglandwirt die Köpfe und Herzen der Besucher getroffen hatte.

Für einige Schlussbemerkungen übernahm der Vorsitzende Urlich Löhr kurz noch das Wort. Er forderte die Anwesenden auf, bei den in den nächsten Tagen folgenden Aktionen und Kundgebungen das landwirtschaftlichen Bündnis “Land schafft Verbindung” friedlich aber merkbar teilzunehmen und beendete die Veranstaltung.

Motive von der B 1 :