Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer kritisiert Verhältnisse in der Altenpflege

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Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer (Braunschweiger Landeskirche)

Ruinöser Wettbewerb
Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer kritisiert Verhältnisse in der Altenpflege

Pressemeldung 09.09.2020

Goslar/Wolfenbüttel. Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer (Wolfenbüttel) hat die Verhältnisse in der Altenpflege scharf kritisiert. Während viele Pfegebedürftige ihren Eigenanteil an einem Heimplatz nicht bezahlen könnten, so dass die Sozialhilfeträger einspringen müssen, würden private Träger Gewinne erwirtschaften und Pflegekräften Dumpinglöhne zahlen. „Wir müssen den ruinösen Wettbewerb abstellen“, sagte Hofer, der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Diakonischen Werkes evangelischer Kirchen in Niedersachsen ist, am Mittwochabend, 9. September, bei einer Podiumsdiskussion in Goslar.

Es könne nicht sein, dass die einen nach dem Shareholder Value-Modell und die anderen gemeinnützig arbeiten und dabei, wie die Diakonie, sogar noch Löhne zahlen, die bis zu 20 Prozent über denen ihrer Wettbewerber liegen.

Hofer forderte ein Mischmodell von Steuerfinanzierung, Pflegeleistungen und Mitteln aus der Krankenversicherung, um zu einer vernünftigen Absicherung der Pflegebedürftigkeit zu kommen. Zwar gebe es erste Ansätze, die Verhältnisse in der Pflege zu verbessern, allerdings müssten wir uns grundsätzlich darüber verständigen, wie Menschen in Würde alt werden können. Diese Frage sei „noch nicht mal ansatzweise beantwortet“.

Es gehe nicht nur um die drei Millionen Pflegebedürftigen, sondern auch um deren Angehörige sowie um die Pflegekräfte. Darunter seien 300.000 ausländische Hilfskräfte, die teils unter schwierigen Bedingungen arbeiten.

Hofer beklagte, dass es in Deutschland ein echtes Risiko sei, pflegebedürftig zu werden. Die Pflegeversicherung müsse weiterentwickelt werden, damit sie nicht zu einer Versicherung „mit unkalkulierbaren Risiken für die zu Pflegenden und deren Angehörigen“ werde. Die Zeit der Symboldebatten müsse zu Ende sein. Deutschland müsse sich die Humanität und die Pflege von Hochbetagten etwas kosten lassen

Foto: Klaus G. Kohn