Offener Brief an den Ministerpräsidenten und den Kultusminister

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Von unserer Leserin “Petra”

Sehr geehrter Herr Tonne, sehr geehrter Herr Weil, sehr geehrte Mitglieder des Niedersächsischen Landtages,

als am Sonntag die Nachricht kam, dass beschlossen wurde , dass die Kitas 4 Tage früher geschlossen werden, ging durch unseren Kollegenkreis ein kollektives Aufatmen. Zitat einer Kollegin: “Endlich wird auch mal an uns (ErzieherInnen) gedacht.”

Der Hammer kam dann am Abend als der Beschluss kam, dass die Kitas in Niedersachsen doch bis kurz vor Schluss geöffnet haben sollen. “Es fühlt sich an wie ein Schlag ins Gesicht” seit fast einem Jahr haben wir eine globale Pandemie. Wir arbeiten hier in den Kitas am Rande der Belastungsgrenze.

Privat dürfen wir nicht mehr einkaufen, Freunde treffen und halten Abstand von unseren Familien. In der Kita haben wir engen Kontakt mit 80 Kindern und deren Eltern, Geschwistern, Onkel, Tanten, Großeltern und sonstigen Verwandten. Wir treffen täglich 20 KollegInnen. Abstand lässt sich kaum einhalten, wenn wir Masken tragen weinen die Kinder.

Wir sind im Regelbetrieb (bzw. Szenario A, wie es in Corona Deutsch jetzt heißt). Hier gibt es weder Abstand zu den Kindern, noch verkürzte Öffnungszeiten und auch der Kontakt der Gruppen untereinander findet (gezwungenermaßen denn für alles andere haben wir nicht genug Personal) weiter statt.

Der Apell an die Eltern führte dazu, dass bei uns ab heute statt 80 Kindern “nur” noch 65 kommen.

Wie immer im Herbst und Winter sind alle Kinder krank. Die Erkältungsviren werden munter von Famillie zu Familie weitergegeben. Es mag sein dass Sie Kita’s nicht als große Corona Hotspots wahrnehmen, aber wer sich durch die Kita eine Ordentliche Erkältung eingefangen hat, ist definitiv eher empfänglich für eine Infektion mit dem Corona Virus.

Wir haben Verständnis für die Situation der Eltern, wer kann es sich schon leisten seinem Arbeitgeber zu sagen: “Die Kita hat Regelbetrieb aber ich komme nicht zur Arbeit den ich möchte mein Kind freiwillig zuhause betreuen.”

In Niedersachsen mögen die Zahlen noch nicht so hoch sein wie in anderen Bundesländern, aber auch hier steigen die Zahlen täglich und wäre es nicht eine gute Idee, dafür zu sorgen, das Niedersachsens Zahlen weiter unten bleiben als weiterhin auf einen Lockdown mit Lockerungen zu setzen?

Wir wünschen uns von Ihnen mehr als ein schriftliches Dankeschön. Wir wünschen uns konkrete Hilfe.
Nur eine Idee: Wenn wir ab sofort die Kitas bis Weihnachten schließen würden, haben wir und alle unsere Kinder die Möglichkeit bis Weihnachten alle Kontakte zu minimieren und mit einem guten Gefühl unsere Familien und Freunde zu treffen. Jeder könnte eine kleine private Quarantäne von 5 Tagen einhalten und mögliche Corona Infektionen rechtzeitig vor Heiligabend erkennen.

Wir arbeiten am Rande unserer Belastungsgrenze. Viele KollegInnen sind krank, haben Urlaub oder sind zuhause, um die eigenen Kinder zu betreuen.

Signifikant mehr Gehalt bekommen wir nicht, schließlich wurde uns bei den Gehaltsverhandlungen klar gesagt, dass der Städte und Gemeindebund kein Geld hat, um uns größere Gehaltserhöhungen zu ermöglichen. Weniger wird die Arbeit dadurch aber nicht. Wir verstehen uns als Bildungseinrichtung, schade das die Bildung unserer Jüngsten scheinbar nicht so wertvoll ist wie die Produktion von Autos oder Waschmaschienen.

Das Geld, das Niedersachsen im Rahmen des sogenannten “Gute-Kita” Gesetzes bekommen hat, wurde nicht genutzt um mehr Personal einzustellen, den Betreuungsschlüssel zu senken oder die Räumlichkeiten zu verbessern, stattdessen wurde den Eltern der Kita Beitrag erlassen, bei uns in den Kitas kam davon nichts an, ob das Geld bei den Kindern landet ist auch nicht klar.

Wir wünschen uns echte Wertschätzung unserer Arbeit.

Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen. Unsere Gesundheit, die Gesundheit der Kinder und deren Eltern und Familien ist die Währung mit der hier gespielt wird.

Der Schutz der Gesundheit sollte doch wohl über dem Willen stehen, dass die Eltern mit allen Mitteln weiter arbeiten um die Wirtschaft zu unterstützen, das lässt sich auch mit einer weniger wertvollen Währung erkaufen: Geld.

Wir hoffen das hinter dieser Entscheidung nicht bloß eine machtpolitische Entscheidung steht. Wählerstimmen zu bekommen, weil man die Kitas und Schulen offen hält, kann und darf ebenfalls nicht auf Kosten der Gesundheit geschehen.

“there is no glory in prevention” Aber unser Dank ist Ihnen Gewiss, wenn Sie in diesen schwierigen Zeiten auch an uns und unsere Familien denken.

Hochachtungsvoll

EinE ErzieherIn aus einer niedersächsischen Kita im Regelbetrieb