Schafe im Blut: Wanderschäfer aus Leidenschaft

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Als Wanderschäfer in dritter Generation führt Christof Bokelmann seine 500 Schafe über die DBU-Naturerbefläche Herzogsberge. Rechtliches: Die Verwendung dieses Bildes ist ausschließlich im Rahmen redaktioneller Berichterstattung mit inhaltlichen Bezügen zur Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) erlaubt. Das Bild kann zu diesem Zweck vervielfältigt und kostenlos veröffentlicht werden. Alle angebotenen Bilder durch die Bilddatenbank piclease dürfen nicht für die Sozialen Medien verwendet werden. Die Bearbeitung des Bildes ist nicht erlaubt. Verkleinerungen oder Vergrößerungen, die der technischen Aufbereitung zum Zweck der optimalen Vervielfältigung dienen, sowie eine den zentralen Sinn des Bildes nicht entstellende Ausschnittwahl sind zulässig.

Christof Bokelmann hütet in dritter Generation Schafe auf der DBU-Naturerbefläche Herzogsberge

Cremlingen. Weite Wiesen und unverbautes Hügelland – die DBU-Naturerbefläche Herzogsberge östlich von Braunschweig ist ein wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von lichtbedürftigen Pflanzenarten wie Wiesen-Schafgarbe, Glatthafer sowie Wiesenmargerite und bietet Vögeln wie der Feldlerche Nahrung und wertvolle Brutplätze – sofern die Wiesen in den Herzogsbergen vor der Verbuschung bewahrt werden, nicht zuwachsen und über die Zeit zu Wald werden. Das ist die Leidenschaft und Aufgabe von Wanderschäfer Christof Bokelmann, beziehungsweise die seiner 500 Mutterschafe samt Nachzucht.

Landschaftspflege durch Beweidung

Spätsommer, morgens um acht Uhr: Für 500 Schwarzkopfschafe geht es auf die Wiese nach Herzogsberge, einer Naturerbefläche der gemeinnützigen Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem DBU Naturerbe. Am Fuße des Ehlerbergs östlich der Ortschaft Cremlingen schalten die Schafe nach einem kurzen Umtrieb aus der Nachbarschaft nun einen Gang zurück. Dabei beginnt ihre wertvolle Arbeit genau damit: Die Herde zieht mit großer Gelassenheit grasend über die Wiese. Ab und zu ist ein Blöken zu hören, doch die Zeit der lauten Rufe ist vorbei, denn die Osterlämmer sind groß geworden. Indem die Tiere mosaikartig die Pflanzen kurzhalten, schützen sie die selten gewordenen mageren Mähwiesen. Sie verbeißen Gräser, knabbern junge Triebe an Sträuchern ab und tragen Samen in ihrer Wolle weiter zur nächsten Wiese. „Gerade sind die Weidengebüsche und vertrockneten Brennnessel wahre Spezialitäten“, deutet Schäfer Bokelmann das Fressverhalten seiner Herde. Nach dem Regen der vergangenen Tage sind die nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) unter Schutz gestellten mageren Flachland-Mähwiesen wieder saftig grün. „Bevor wir in der nächsten Woche weiter Richtung Schandelah ziehen, sind meine Tiere im Naturerbe rundum versorgt“, so Bokelmann.    

Robuste und kräftige Schwarzkopfschafe stecken auch trockene Sommermonate gut weg

Die Futterauswahl war im Sommer begrenzt. „Dieses Jahr war schon heftig. Hier war eigentlich alles braun und vertrocknet“, erinnert sich Bokelmann. In der Konsequenz führte der Schäfer seine Herde auch auf abgeerntete Getreidefelder. „Dieses Kraftfutter dürfen die Schafe aber nur in kleinen Mengen fressen, da sich die Tiere schnell überfressen und dies gesundheitlich sehr gefährlich sein kann.“ Insgesamt seien die schwarzköpfigen Fleischschafe aber recht robust und können auch eine trockene und damit futterkarge Saison besser als andere Rassen wegstecken. So wurden die Wiesen in den Herzogsbergen mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Wolfenbüttel weiter offen gehalten. Seine Tiere sind aber nicht nur für die Arbeit als Landschaftspfleger auf nährstoffarmen Naturschutzflächen gut geeignet. Der Schäfer konzentriert sich auch aus einem anderen Grund auf das regionale Fleischschaf: „Allein vom Naturschutz lässt sich nicht leben. Der Verkauf der Lämmer ist ein wichtiger Wirtschaftszweig, ohne den sich die Wanderschäferei nicht finanzieren könnte.“ Auch Susanne Belting, Fachliche Leitung im DBU Naturerbe, betont: „Ohne langfristige Pflege der Mähwiesen würden diese wieder verbuschen und zuwachsen. Daher müssen auch wirtschaftliche Anreize für Weidetierhalter wie Christof Bokelmann geschaffen werden, um die Artenvielfalt durch extensive Beweidung zu sichern.“

Für die Überquerung der ICE-Trasse bei Schandelah ist Teamarbeit gefordert.
Rechtliches:
Die Verwendung dieses Bildes ist ausschließlich im Rahmen redaktioneller Berichterstattung mit inhaltlichen Bezügen zur Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) erlaubt. Das Bild kann zu diesem Zweck vervielfältigt und kostenlos veröffentlicht werden. Alle angebotenen Bilder durch die Bilddatenbank piclease dürfen nicht für die Sozialen Medien verwendet werden. Die Bearbeitung des Bildes ist nicht erlaubt. Verkleinerungen oder Vergrößerungen, die der technischen Aufbereitung zum Zweck der optimalen Vervielfältigung dienen, sowie eine den zentralen Sinn des Bildes nicht entstellende Ausschnittwahl sind zulässig.

Zuhause auf den Wiesen zwischen Braunschweig und Hildesheim

Von den Stallungen bei Hildesheim bis auf die DBU-Naturerbefläche Herzogsberge legen die Schafe übers Jahr rund 100 Kilometer zurück. Um sicher und gemeinsam durch enge Dorfstraßen und Bahnübergänge zu kommen, ist Teamarbeit gefordert. Dann hilft auch Ehefrau Petra Bokelmann mit, die sich im Betrieb um die Büroarbeit und die Nachzucht kümmert. „Kurz vor der Naturerbefläche müssen wir die ICE-Trasse bei Schandelah überqueren. Hier den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, löst jedes Mal wieder Bauchkribbeln bei mir aus“, erinnert sich die Schäfersfrau. Per Telefon gibt ein Bahnhofsmitarbeiter Bescheid und dann heißt es, schnell sein. Bokelmann: „Knapp drei Minuten brauchen wir, bis alle Schafe die Trasse überquert haben. Doch wenn wir noch auf Züge warten müssen, legen sich viele Schafe an der Schranke für eine Pause hin. Alle Tiere dann gleichzeitig zu mobilisieren, ist immer eine Herausforderung.“ Mit zum Team zählen auch die drei Harzer Fuchshunde Michel, Raps und Ida, die der Herde in solchen Situationen schnell Beine machen.

In dritter Generation unterwegs als Wanderschäfer

Der 57-jährige Schäfer beschäftigt sich schon sein ganzes Leben mit Schafen. Beide Elternteile waren in der Schafwirtschaft tätig. Christof Bokelmann übernahm als ausgebildeter Tierwirtschaftsmeister 1988 den elterlichen Betrieb. „Zum Schäfer haben mich meine Gene gemacht,“ stellt Bokelmann schmunzelnd fest. So fühlen sich die täglichen Aufgaben nicht wie Arbeit, sondern nach Alltag an. Neben dem Hüten der Herde steckt der Schäfer täglich eine mobile Koppel, einen Nachtferch, für die Rast über Nacht ab. Der Elektrozaun dient auch als Schutz vor dem Wolf, denn zum Feierabend fährt Bokelmann zu den Stallungen nach Hildesheim. „Wenn ich morgens wieder zurück zu den Schafen komme, merke ich ihnen sofort an, wie die Nacht war, aber auch, wie der Tag so wird: Die beste Stimmung haben die Schafe mit ‚Regen im Kopf‘“, so Bokelmann. Als hätte er Schafe im Blut, erkennt Christof Bokelmann Stimmungen und Bedürfnisse seiner Vierbeiner. Seinem Sohn Jakob geht es da ähnlich. Er arbeitet bereits tatkräftig im Betrieb mit. Das muss wohl an den Genen liegen