Städtisches Klinikum auf steigende Infektionszahlen vorbereitet

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Städtisches Klinikum auf steigende Infektionszahlen vorbereitet

Wolfenbüttel. Nicht nur bundesweit, sondern auch im Landkreis Wolfenbüttel gehen die Corona-bedingten Infektionszahlen seit einigen Wochen wieder nach oben. Auch wenn sie nur langsam steigen, ist mit Blick auf die kommende Grippe- und Erkältungszeit schon jetzt wahrscheinlich, dass sich die Situation abermals zuspitzen könnte. Als Gesundheitszentrum der Region steht das Städtische Klinikum erneut vor Herausforderungen – sieht sich jedoch, auch aufgrund der Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit, bestens gewappnet.

„Wir konnten uns mit Beginn der Pandemie nicht ins Homeoffice abmelden und werden dies auch in Zukunft nicht tun“, so Axel Burghardt, Geschäftsführer des Städtischen Klinikums, auf die Frage, wie das Team des Klinikums auf die kommenden Monate vorbereitet sei. Doch der Reihe nach. Nachdem im Frühjahr alle verschiebbaren Operationen und Sprechstunden abgesagt, eingespielte Abläufe von jetzt auf gleich neu gestaltet und das Klinikum von einem offenen Haus in ein Hochsicherheitstrakt umfunktioniert werden musste, befinde man sich derzeit in einem modifizierten Covid-Normalbetrieb, so Burghardt. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

„Weltweit wurde damals die Schutzkleidung knapp, unsere Desinfektionsmittel sowie Schutzmasken bekamen zunehmend Beine und unsere Standardbeschaffungswege funktionierten nur teilweise“, erinnert sich der Geschäftsführer zurück. Dank guter Kontakte zu einem Wolfenbütteler Unternehmer, konnte die Versorgung über direktem Weg aus China in die Lessingstadt sichergestellt werden, so dass auch in Zukunft keine Engpässe zu befürchten sind. Gleichwohl stellte die Zeit für Patienten wie Klinikpersonal eine hohe psychologische Belastung dar. „Wir hatten keine Erfahrungswerte, wussten nichts über die Schwere der Erkrankung bei unseren Patienten und hatten darüber hinaus keine Testmöglichkeiten im Haus“, so Prof. Dirk Hausmann, Ärztlicher Direktor des Klinikums.

Bei einem Drittel der Patienten nahm die Erkrankung einen schweren Verlauf. So wurden in Hochzeiten der Pandemie bis zu fünf Patienten gleichzeitig auf der Intensivstation des Klinikums behandelt. „Unsere Covid-Patienten wurden im Schnitt 50 bis 60 Tage beatmet. Dafür wurden sie in ein künstliches Koma versetzt. Nur so sind die Maßnahmen überhaupt erträglich. Die lange Beatmung der Patienten hat uns an unsere Grenzen gebracht“, beschreibt Dr. Tobias Jüttner, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, operative Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin, die damalige Situation. „Die Behandlung ist für alle Beteiligten mit großen Anstrengungen verbunden. Nichtsdestotrotz haben sich unsere Mitarbeiter, auch die, die zur Risikogruppe gehören, freiwillig gemeldet, um die Covid-Patienten zu betreuen“, berichtet Pflegedirektor Ralf Harmel.

Überhaupt sei es der hervorragenden Teamarbeit in allen Bereichen des Klinikums und der sehr guten Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten der Region sowie den Pflegeheimen und Rettungsdiensten zu verdanken, dass die Situation zu keiner Zeit außer Kontrolle geriet. Die Reserve von 16 zusätzlich eingerichteten Beatmungsplätzen wurde nicht benötigt. „Alle von uns behandelten Covid-Patienten haben überlebt“, berichtet Chefarzt Jüttner.

Dabei wurden zu Hochzeiten der Pandemie täglich 15 Verdachtsfälle eingeliefert, die dann bis zu zwei Tage im Isolationsbereich auf ihr Testergebnis warten mussten. Seit einigen Wochen verfügt das Städtische Klinikum über ein eigenes Testgerät, welches den Patienten innerhalb von nur zwei Stunden Klarheit über eine mögliche Corona-Infektion verschafft. „Ein echter Quantensprung. Eine tagelange Isolation ist für unsere Patienten somit nicht mehr nötig“, freut sich der Geschäftsführer. Ein breit angelegter Test der Klinikmitarbeiter hatte zuletzt gezeigt, dass diese keinem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind als der Rest der Bevölkerung – die Infektionsschutzmaßnahmen im Städtischen Klinikum hatten wie geplant gegriffen.

Derzeit wird im Klinikum kein Covid-Patient behandelt. Dennoch: „Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, mahnt Prof. Dirk Hausmann. So werde weiterhin jeder stationär aufgenommene oder zu einem geplanten Eingriff einbestellte Patient getestet. 12 der insgesamt knapp 300 Betten müssen dauerhaft für Covid-Patienten freigehalten werden. Anders als im Frühjahr sei bei steigenden Fallzahlen der Normalbetrieb weitgehend gesichert, auch Operationen werden wie geplant durchgeführt, erklärt Burghardt. Möglich werde dies durch den Einsatz von Personal, welches sich ausschließlich um Covid-Patienten kümmere. „Somit muss kein Patient befürchten, im Klinikum einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt zu sein“, erklärt Chefarzt Jüttner. In den vergangenen Monaten hatten zahlreiche Patienten aus Angst vor einer Ansteckung den Weg ins Klinikum vermieden. Dies führe jedoch laut Meinung des Mediziners mitunter zu unkalkulierbaren, gesundheitlichen Risiken: „Angst ist an dieser Stelle ein ausgesprochen schlechter Ratgeber, da sie in diesem Fall fatale Spätfolgen riskieren.“

Keine Veränderungen werde es hinsichtlich der wichtigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen sowie der Kontrollen am Haupteingang geben. Patienten, Mitarbeiter und Besucher sind weiterhin verpflichtet, jederzeit einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Besuchszeiten bleiben eingeschränkt – dies sei nötig, um die Infektionsketten weiterhin nachverfolgen zu können, erklärt Burghardt. Jeder Patient dürfe zwei Besucher gleichzeitig empfangen. Ausnahmen bestehen weiterhin für Palliativpatienten und in der Geburtshilfe „Nicht alle Besucher reagieren positiv auf diese Maßnahmen. Manche wurden unseren Mitarbeitern gegenüber leider schon aggressiv und beleidigend – ein Verhalten, das wir in keinster Weise tolerieren“, betont Pflegedirektor Ralf Harmel.

Alles in allem blickt das Team des Klinikums positiv in die Zukunft, auch wenn die zu erwartende Erkältungszeit eine zusätzliche Herausforderung darstelle. „Wir haben jetzt eigene Erfahrungswerte mit der Krankheit, sind entsprechend organisiert und wissen, wie wir mit steigenden Zahlen umzugehen hätten“, erklärt Axel Burghardt. „Das beste Mittel, um die Pandemie zu bekämpfen, ist sich an die Abstands- und Hygieneregeln zu halten“, so Chefarzt Tobias Jüttner. „Kontaktieren sie bei Erkältungssymptomen ihren Hausarzt. So schützen sie nicht nur ihre Mitmenschen, sondern auch unsere Mitarbeiter und Patienten“, richtet Prof. Dirk Hausmann eine abschließende Bitte an die Wolfenbütteler Bevölkerung.

Bildunterschrift: Geschäftsführer Axel Burghardt, Pflegedirektor Ralf Harmel, Chefarzt Dr. Tobias Jüttner und der Ärztliche Direktor Prof. Dirk Hausmann sehen das Städtische Klinikum für die Zukunft bestens gewappnet. Foto: Städtisches Klinikum Wolfenbüttel