Sterbebegleitung wird weiter ausgebaut und auch flexibler

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Pressemeldung Hospizverein WF

Wir brennen für den Hospizgedanken“

Sterbebegleitung wird weiter ausgebaut und auch flexibler

In Wolfenbüttel wird es ein HospizZentrum geben. Damit soll die hospizliche Begleitung von sterbenden Menschen weiterentwickelt werden. Die Lebenssituationen sind heute vielfältig. Mit einem neuen Konzept soll auch flexibel auf die individuellen Wünsche und Erfordernisse in der letzten Lebensphase reagiert werden. Das interessiert nicht nur Politikerinnen und Politiker aus Stadt und Landkreis. Das Thema ist jetzt auch im Landtag angekommen. In diesen Tagen empfing Landtagsvizepräsident Frank Oesterhelweg mit weiteren Landespolitikern drei Vorständinnen des Hospizvereins zu einem Austausch.

Dagmar Ammon, Gründungsmitglied des Vereins, stellte das Projekt vor: „Seit 15 Jahren sind wir in Wolfenbüttel in der ambulanten Sterbebegleitung engagiert. Dafür brennen wir, und das wird auch so bleiben. Aber so sehr sich auch die Kranken wünschen, in ihrer vertrauten Umgebung das Leben abschließen zu können: Nicht immer ist das uneingeschränkt machbar.“ Daher soll in den kommenden zwei Jahren im ehemaligen Gutshaus in Wendessen ein Hospiz entstehen.

In Niedersachsen gibt es derzeit 26 Hospize und immer wieder wird diskutiert, wie wohnortnah ein Hospiz sein sollte. Im Fall von Wolfenbüttel ist es vorrangig das neue Konzept, das das Interesse der Politiker weckt. In dem zukünftigen Hospiz wird es neben den Plätzen für schwerstkranke und sterbende Menschen auch ein teilstationäres Angebot geben. Die inzwischen 40 Ehrenamtlichen des Vereins machen immer wieder die Erfahrung, dass pflegende Angehörige an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommen. „Manchmal ist es dann hilfreich, dass der kranke Mensch vielleicht einmal in der Woche tagsüber ins Hospiz gebracht werden kann“, weiß Heidemarie Wypich. „In dieser Zeit hat dann die Pflegeperson die Möglichkeit, Besorgungen zu machen, zu pausieren oder einfach mal durchzuatmen.“

Die teilstationären Begleitungen können natürlich auch mehrtägig in Anspruch genommen werden. Darin liegt für die Angehörigen die Chance, Beruf und Pflege besser vereinbaren zu können. Und nicht zuletzt wird es in Wolfenbüttel auch Plätze für die Nacht geben. Dann haben die Angehörigen die Möglichkeit, eine kleine Weile abzuschalten, auszuschlafen und Kraft zu schöpfen – für die Zuwendung und Versorgung am nächsten Tag.

Das Besondere des Projektes ist, dass wir zukünftig vielfältiger reagieren können und auf unterschiedliche Wünsche und Erfordernisse eingestellt sind“, erläutert Ulrike Jürgens das neuartige Konzept. „Wir können weiterhin kranke Menschen in ihrer gewohnten Umgebung begleiten. Dann aber auch einmal oder mehrmals in der Woche tagsüber – oder auch nur nachts – in unserem teilstationären Bereich. Und in der letzten Lebensphase haben wir bei Bedarf auch eine vollstationäre Rund-um-die-Uhr-Versorgung zur Verfügung.“

Neben dem Interesse an dem geplanten HospizZentrum kamen auch die coronabedingten Probleme in der Sterbebegleitung und Trauerarbeit auf den Tisch. Der Vorstand des Hospizvereins hofft dringend darauf, dass die Ehrenamtlichen bald geimpft werden. Und nicht zuletzt drängt der Verein auf eine Änderung der Corona-Verordnung, damit interne Schulungen für Trauerbegleiter/-innen und neue Sterbegleiter/-innen stattfinden können. Und für die Öffentlichkeit sollten bald wieder Trauerkreise und Letzte-Hilfe-Kurse möglich sein.

Die Gesprächsrunde war von Oesterhelweg sorgfältig zusammengestellt worden. Alle Politiker haben ihren Schwerpunkt im sozialen Bereich. Und alle kommen aus einem Landkreis, in dem es bereits ein stationäres Hospiz gibt. So konnten Gudrun Pieper und Volker Meyer eigene Erfahrungen aus dem Aufbau und Betrieb eines Hospizes weitergeben. Neben den Hinweisen auf Fördermöglichkeiten hörten die Vorstandsfrauen gern auch das Lob von Karl-Heinz Klare: „Sie sind mit Ihren Überlegungen und Plänen auf einem guten Weg. Ich bin beeindruckt, wie intensiv Sie sich mit vielen Fragestellungen bereits auseinandergesetzt haben. Wir alle wünschen Ihnen viel Erfolg.“ Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu „… damit es auch im Heimat-Landkreis unseres Kollegen Oesterhelweg bald ein Hospiz gibt.“

Wer an den Möglichkeiten hospizlicher Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen interessiert ist – jetzt oder zukünftig –, kann sich weiter informieren unter www.hospizverein-wf.de/was-planen-wir und telefonisch unter 05331 9004146. Das Büro in der Dietrich-Bonhoeffer-Str. 1a ist besetzt: montags 16 – 18 Uhr, sowie dienstags bis freitags 10 – 12 Uhr.

 

 

Bildunterschrift: Der Hospizgedanke wird zukünftig passgenauer umgesetzt. Der Hospizverein Wolfenbüttel hat ein Konzept entwickelt, um möglichst vielen Menschen am Lebensende gerecht zu werden. Im Landtag trafen sich zu einem beratenden Gedankenaustausch – nach dem obligatorischen Coronatest – sitzend v.l.n.r.: Gudrun Pieper (MdL) sowie vom Hospizverein Dagmar Ammon, Ulrike Jürgens, Heidemarie Wypich; stehend v.l.n.r.: Karl-Heinz Klare (Landtagsvizepräsident bis 2017), Volker Meyer (MdL) und der derzeitige Landtagsvizepräsident Frank Oesterhelweg.

Foto: Landtag Niedersachsen