Wald ist mehr als nur Bäume

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Pressemeldung

Wir müssen lernen systemisch zu denken und zu handeln“, dieser Satz von Kalle Weber stand als Leitmotiv über dem Treffen mit Marie Kollenrott, Landtagsabgeordnete der GRÜNEN, und Nico Söhnel, Direktkandidat der GRÜNEN im Wahlkreis 9 – Wolfenbüttel-Nord. Der Kreisverband Wolfenbüttel der GRÜNEN hatte das Treffen mit dem Wald- und Forstexperten und ehemaligen Forstbeamten Weber initiiert, um vor Ort die Probleme, denen Wald und Forst durch Klimaerhitzung, Schädlinge aber auch die Bewirtschaftung ausgesetzt sind, zu veranschaulichen.

Der Parkplatz an der Gaststätte Reitling bot sich als Ausgangspunkt an, da man von dort aus einen guten Blick auf die Hänge des Reitlingstals hat. Auf den ersten Blick sieht alles grün und idyllisch aus, bei näherem Hinsehen bemerkt man allerdings, dass in weiten Bereichen das Kronendach nicht mehr geschlossen ist, es also einen starken Holzeinschlag gegeben hat, der Wald „heißgeschlagen“ wurde, so dass die Bäume im Randbereich vermehrtem Hitzestress ausgesetzt sind. Buchen reagieren da besonders empfindlich. Übrig bleibt dann nur eine Art „Waldkulisse“, die mit einem natürlichen und ökologisch leistungsfähigen Wald kaum mehr etwas gemein hat.

Gut zu identifizieren waren aber auch die Bereiche, die stärker einer natürlichen Entwicklung überlassen worden und damit auch schon optisch in einem deutlich besseren und gesünderen Zustand waren. Nach dem Überblick von außen führte ein kurzer Spaziergang in den Wald hinein, um die Strukturen von innen zu betrachten. Kalle Weber wies auf die Zusammensetzung hin; positiv anzumerken sei die Artenzusammensetzung – viele unterschiedliche heimische Laubbaumarten, aber leider kaum alte „erwachsene“ Bäume, stattdessen ein „Altersklassenwald“, d.h. nur Bäume einer bzw. zweier Altersklassen, zudem ziemlich jung. „Ein solcher Wald bleibt ökologisch aber auch wirtschaftlich weit hinter den Möglichkeiten,“ resümierte Kalle Weber. „Wir müssen den Wald als System betrachten, ein System, dessen einzelne Komponenten wir zudem nicht komplett verstanden oder durchdrungen haben.“

Bei der Art der Bewirtschaftung muss sich dringend etwas ändern; hier ist das Land in der Pflicht verbindliche Vorgaben zu machen, die dem Wald in seiner ganzen Komplexität gerecht werden“, zog Marie Kollenrott für sich und die Arbeit im Landtag als Fazit. Nico Söhnel ergänzte: “Mir hat der Besuch im Reitlingstal auch vermittelt, dass man genauer hinschauen muss, um die Zusammenhänge zu begreifen. Systemisches Denken ist hier unerlässlich“. „Ein ernsthaftes Monitoring der Waldflächen, egal ob Landschaftsschutz-, Naturschutz- oder FFH-Gebiet ist dringend auch auf Kreisebene erforderlich, da das gesetzlich vorgeschriebene Verschlechterungsverbot offensichtlich nicht greift“, ergänzte Ulrike Siemens vom Wolfenbütteler Kreisverband der GRÜNEN, die das Treffen vorbereitet hatte.