Wir haben die Evolution umgekehrt

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Eine illustre Gesellschaft hatte sich um die Mittagszeit des 11.3. im CaféGut des Ritterguts Lucklum eingefunden: Landrätin Christiana Steinbrügge, Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Schwetje, der Geschäftsführer von „Jägermeister“, Herr Rehm, Helmut Gockel von der Güterverwaltung Reinau, Mauritz von Grundher vom Agroforst Lucklum, Abgeordnete des Landtags, ein paar Landwirte – um nur einige zu nennen. Ziel der Veranstaltung war es, der ebenfalls anwesenden niedersächsischen Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Barbara Otte-Kinast das Konzept des “blueing” vorzustellen.

Dieses von Ina Küddelsmann entwickelte und in einem Kurzvortrag umrissene Projekt einer wasserorientierten Landnutzung soll helfen, zukünftig den Hochwasser- und Windschutz im Landkreis zu verbessern.
Zwar wissen wir schon lange von der Komplexität unseres Ökosystems, aber, wie Ina Küddelsmann meint, haben wir dabei das Wasser „vergessen“.

Natürlich haben wir uns um Trinkwasserreserven gekümmert, aber uns kaum Gedanken gemacht, wie wir das Wasser in der Landschaft halten können und stellen nun fest, das Überschwemmungen und Dürren einander ablösen, wir also entweder zu viel oder zu wenig Wasser in der Landschaft haben. Wie wir dem begegnen können, wissen wir auch, beispielsweise durch das Anpflanzen von Bäumen oder dem Anlegen von Wasserrückhaltebecken. Es gibt mittlerweile wissenschaftliche Erkenntnisse, die besagen, dass Aufforsten sogar nachhaltiger für den Klimaschutz ist als der Abbau der Treibhausgase. Über Jahrtausende hat die Evolution die „blaue Haut des Planeten“ aufgebaut, die wir Menschen innerhalb von Jahrzehnten zerstört haben. Es darf bei solchen Feststellungen nicht um Schuldzuweisungen gehen, auch unsere Vorfahren haben nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, aber ihr Wissen war damals ein anderes, vor 50 Jahren wurden beispielsweise Moore noch für überflüssig gehalten und zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen trockengelegt.

„Blaue Landschaften“ lassen sich über das „landschaftliche Fiebermessen“ (Küddelsmann 2022) in Satellitenthermalbildern erkennen, „rote Fieberlandschaften“ auch, erschreckend, dass der Temperaturunterschied zwischen Wald und Asphalt 29 Grad Celsius beträgt!
Mauritz von Grundherr stellte ein Konzept für Agroforst Lucklum vor, das sich bereits in der Realisierung befindet: Nicht das gesamte Land soll als Ackerfläche genutzt werden, Pappeln werden angepflanzt, Korridore mit bienenfreundlicher Bepflanzung werden angelegt, Wasserrückhaltemöglichkeiten sollen geschaffen werden.

Bei all dem sollen aber die Menschen mit ins Boot geholt werden, schließlich betrifft es uns alle, das gesamte Konzept basiert auf Freiwilligkeit und gesundem Menschenverstand.
Die Ministerin bat in einer kurzen Ansprache darum, „Hausaufgaben“ mit nach Hannover nehmen zu dürfen, die sie prompt auch bekam: Bürokratieabbau bei der Deklarierung von Anbau-Flächen, Einbeziehung nicht nur des Landwirtschafts-, sondern auch des Wirtschaftsministeriums, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Es ging aber nicht nur um Agroforst Lucklum, sondern um ein zusammenhängendes „blaues Wassereinzugsgebiet Wabe“, welches zusammen mit weiteren Projekten in naher Zukunft entwickelt werden soll. Anknüpfend an die Haltung hinter dem „Niedersächsischen Weg“ und dem Gesellschaftsvertrag sollen diese zukunftsweisenden Aktionen in die Wege geleitet werden.

Hans R. Witzkewitz

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