Witz-Licht 11

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Ein Vierteljahr Corona liegt nun hinter uns und erscheint uns im Rückblick wie eine gefühlte Ewigkeit. Unangenehm ist aber, das wir nicht wissen, was noch vor uns liegt. Früher haben wir das auch nicht gewusst, eigentlich kann kein Mensch in die Zukunft schauen, auch wenn einige dies behaupten. In Wahrheit aber können die meisten nicht mal realistisch zurückschauen, sondern tun dies mit verklärtem Blick.

Wenn wir, so wie wir das oft zum Jahreswechsel tun, nach vorn geschaut haben, dann haben wir uns über die Zukunft nur wenige bis gar keine Gedanken gemacht und uns eingebildet, alles kontrollieren zu können, komme, was wolle.

Nun aber fürchten wir die zweite Welle, tun aber, als ob das niemals sein wird. Halten im Nachhinein alle bisherigen Maßnahmen für übertrieben und gehen unseren beiden Lieblingsbeschäftigungen nach: Jammern und Schimpfen.
Wie wenig so ein Mund-Nasen-Schutz einen doch schütze (so gut wie gar nicht, aber ich kann andere damit schützen) und ob denn diese Einmeterfünfzig nicht völlig sinnlos wären. Außerdem kann doch dieses ständige Händewaschen und Desinfizieren für unsere ach so empfindliche Haut gar nicht gut sein. An jeder Ecke kann man einen selbsternannten Virologen treffen, der zwar ohne eigenes Labor, aber ähnlich wie ein mittelalterlicher Scholastiker zu völlig neuen Erkenntnissen kommt. Und außerdem erfährt man ja sowieso jeden Tag etwas anderes und was gestern noch wahr war kann heute schon falsch sein. Das ist richtig und sehr gut, denn so funktioniert echte Wissenschaft und was Wissenschaftler innerhalb eines doch sehr kurzen Zeitraums herausgefunden haben, finde ich erstaunlich: Das Virus scheint eher über die Nase, als wie zuerst angenommen über den Rachen in den Körper einzudringen, es greift nicht nur die Lunge, sondern zum Beispiel auch Leber, Nieren, Herz und Kreislaufsystem an und auch wenn die Infektion als solche überstanden ist, kann sie (auch für jüngere Menschen) gravierende Folgeschäden im Körper anrichten, auf Lebenszeit können nicht nur die Lunge, sondern auch andere innere Organe irreparabel geschädigt werden.

Beinahe täglich kommen neue Erkenntnisse hinzu, eine Pandemie scheint ähnlich wie ein Krieg wahre Erkenntnis- und Technologieschübe hervorzubringen.
Außerdem beobachte ich ein zwar seltsames, aber durchaus verständliches Phänomen: Wenn so ein winzig kleines Eiweißmolekül beinahe die gesamte Weltordnung zusammenbrechen lässt, dann müssen wir eine kleine Ordnung aufrechterhalten, an die wir uns krampfhaft klammern können, müssen unsere Wohnung oder unser Haus auf- und umräumen, Keller und Dachboden entrümpeln und eventuell sogar das bisher schlummernde Talent zum Gärtnern aufwecken.

Einige haben die Zeit sogar zu einer bis dato ungewohnten Tätigkeit wie Nachdenken genutzt. Das allerdings kann fatale Folgen haben, denn ungewohntes Denken kann völlig verquere Schlussfolgerungen nach sich ziehen, wie man an der ganzen Suche nach einem oder mehreren Schuldigen oder an den ganzen hoch schwappenden Verschwörungstheorien sehen kann.

Übrigens: Ich liebe Verschwörungstheorien, das ist eines meiner Hobbies und je unsinniger sie sind, desto lieber sind sie mir. Nur glaube ich nicht daran.
Woran ich aber glaube ist, dass ich verdammtes Glück habe hier und heute zu leben. Wenn ich nämlich nicht 1956, sondern 1856 zur Welt gekommen wäre, dann hätte ich nach dem Deutsch-Französischem Krieg auch den Ersten Weltkrieg durchmachen müssen und wäre jetzt mittendrin in einer abklingenden Pandemie. Und ob ich so kurz nach dem Krieg ein Dach über dem Kopf und genügend zu Essen hätte, wage ich zu bezweifeln.

Bis neulich, Witz Witzkewitz.

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