Witz-Licht 12

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Was wohl in den nächsten Jahren von Europa übrig bleiben wird? Wir werden sehen, sollten nicht zu optimistisch sein, aber auch keine Schwarzmalerei betreiben. Schließlich ist eine neue Zeitrechnung angebrochen (siehe Witz-Licht 1) und nichts wird mehr so sein wie vorher. Aber Veränderung ist ja etwas, was wir am wenigsten wollen, angeblich sehnt sich ja nur ein Säugling in vollgekackten Windeln nach Veränderung, ansonsten aber niemand.

Doch denk ich an Deutschland in der Nacht… Nein, ich habe einen gesunden Schlaf, bin ja nicht Heinrich Heine, aber manchmal frage ich mich, wie weit weg Deutschland von mir ist und wo ich es finden kann. Damit meine ich nicht die typisch amerikanische Frage, wie lange man denn mit dem Auto von Amerika nach Deutschland fährt (man hat mich vor meinem Florida-Urlaub vor dieser Frage gewarnt, ich habe es nicht glauben wollen, aber sie kam tatsächlich).

Was ich hinterfragen will ist, ob Deutschland nicht einfach nur ein Hirngespinst, eine Illusion, eine Täuschung, ein Simulakrum darstellt. Haben wir die Kleinstaaterei jemals hinter uns gelassen oder fanden wir selbst diese noch zu groß? Vielleicht ist das wirkliche Deutschland lediglich eine Aneinanderreihung von Dörfern, die ein paar Kilometer weit auseinanderliegen oder eben auch dicht an dicht aneinandergereiht sind (das nennt man dann Städte)?

Jeder dieser Flecken hat einen eigenen Häuptling, egal ob er Ortsvorsteher, Bürgermeister oder sonstwie heißt, alle aber haben eine Gemeinsamkeit: Eigentlich sind sie zu Höherem berufen. Nach außen hin begnügen sie sich mit ihrem Amt, aber eigentlich haben sie alle nur ein Ziel: Die Weltherrschaft. Fällt mir ein Frank-Zappa-Song ein, in dem Fred, der Bürgermeister, in einer Kleinstadt im mittleren Westen im Rathaus sitzt und die Welt regiert. Zumindest in dem Punkt scheint es eine deutsch-amerikanische Gemeinsamkeit zu geben.

Aber das Kreieren von so viel wie möglich unterschiedlichen Verordnungen und Bestimmungen von so wenig wie möglichen Sachverhalten erweist sich als deutsche Tugend, nur im kreativen Gestalten von Bürokratie gab und gibt es Deutschland als Einheit und wird es wahrscheinlich auch immer geben.

Wenn also der Unterdorf-Oberbürgermeister im Urlaub ist, dann erhöht sein Stellvertreter den Corona-Sicherheitsabstand von 1,5 auf 2 Metern, im Oberdorf gelten nach wie vor die 1,5 Meter; im Gegenzug wird vom Oberdorf-Oberbürgermeister angeordnet, dass sich Unterdörfler im Oberdorf plötzlich nur noch mit 2 Personen treffen dürfen, während man im Unterdorf dies nach wie vor mit 10 Personen darf. Der erhöhte Sicherheitsabstand wird vom aus dem Urlaub zurückgekehrten Unterdorf-Oberbürgermeister zurückgenommen, der sich gleichzeitig beim Oberdorf-Oberbürgermeister über die Diskriminierung der Unterdörfler beschwert und nun anordnet, dass sich Oberdörfler auch nur noch mit zwei Personen treffen dürfen, sobald sie die Brücke zum Unterdorf überschreiten.

Wer sich von diesen nicht ganz einfach zu verstehenden Verordnungen erholen möchte und so wagemutig ist, dazu die Landesgrenzen zu überschreiten, muss mit ganz anderen Überraschungen rechnen. Vielleicht darf man das Nachbarland nur durchqueren, sich aber nicht dort aufhalten oder muss sich erstmal 14 Tage in Quarantäne begeben oder wird gleich bei der Einreise zurückgewiesen.

Rosige Aussichten, ähnlich wie im Mittelalter, allerdings sind inzwischen die gängigen Handelswege sicherer geworden, wenn auch nicht alle.

Einziger Ausweg: Warten auf einen Impfstoff. Gibt es den dann endlich: Weiter warten, bis er in ausreichender Menge zur Verfügung steht und darauf hoffen, dass das Virus bis dahin nicht soweit mutiert ist, dass der Impfstoff nicht mehr wirkt.

Bis dahin kann man ja den Nachfolger von Pokemon Go ausprobieren und mit der Corona App um den Block laufen und Infizierte suchen.

Tue ich jetzt nicht, ich fahre lieber in mein neues Lieblings-Restaurant und obwohl ich heute im CEC Cremlingen schon sehr gut gefrühstückt habe, werde ich dort auch noch zu Abend essen und mir ein Steak gönnen.

Bis neulich, Witz Witzkewitz.