Witz-Licht 13

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Um die Wirtschaft zu entlasten (so hieß es) ist die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr um drei Prozentpunkte gesenkt worden. Diese Ankündigung scheint bei einigen Zeitgenossen in den falschen Hals geraten zu sein. Diese Sparfüchse gehen mit unbeirrbarer Selbstverständlichkeit davon aus, dass diese Ersparnis an sie durchgereicht wird, was aber niemand beabsichtigt und schon gar nicht angeordnet hat, auch wenn viele Geschäftsleute dies tun oder zumindest behaupten, es tun zu wollen.
Nehmen wir ein frei erfundenes Bespiel: Unser Protagonist, nennen wir ihn der Einfachheit halber Harald (ein Name, der von Heerführer abgeleitet wurde) kämpft sich seitdem im Dörfle von Tresen zu Tresen und fordert lautstark „seine“ Mehrwertsteuersenkung ein. Hält er sich irrigerweise für „die Wirtschaft“? Wir wissen es nicht und es ist wohl auch besser, dies gar nicht erst wissen zu wollen.
Was uns aber interessieren könnte: Wie hoch genau ist denn die Ersparnis, die unserem Heerführer zu entgehen droht? Das von unserem tapferen Recken favorisierte Bier kostet 2,10 € (Ja, es ist unverschämterweise schon wieder teurer geworden! Die Bierpreise sind nämlich in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und die meisten Gastwirte geben diese Preiserhöhung nicht von heute auf morgen an ihre Kunden weiter, sondern warten, bis die gesamte Karte inhaltlich und preislich überarbeitet werden muss). Wie dem auch sei, jetzt soll ja alles besser werden, jedenfalls für ein halbes Jahr. Nein, Harald wird nicht in die Falle tappen und mit der Taschenrechnerfunktion seines Smartphones drei Prozent von den 2,10 € abziehen und meinen, die 6,3 Cent seien das richtige Ergebnis. Wie jeder andere nordische Heerführer hat auch uns Harald gelernt, dass die Mehrwertsteuer auf den Nettopreis aufgeschlagen wird, also teilt er den Bruttopreis durch 1,19, erhält einen Nettopreis von 1,76470 Euro und bescheiden wie er nun mal ist, begnügt er sich mit fünf Stellen hinterm Komma, kann nun den neuen Bruttopreis von 2,04705 € ermitteln und weiß endlich, dass der Gastwirt pro Bier einen zusätzlichen Gewinn von 5,3 Cent erzielt.
Natürlich wollte Harald diesen Betrag nicht in bar gegenrechnen, ihm schwebte vor, so viele kleine Biere zu konsumieren, dass schlussendlich ein Freibier für ihn herausspringen würde, hätte dafür aber exakt 39,62264, nein, wir wollen an dieser Stelle nicht pingelig werden, also 40 kleine Biere in sich hineinarbeiten müssen, was aber ins Reich der Fantasie verwiesen werden muss, weil Harald bereits nach nicht mal zehn Bier nur noch dummes Zeug brabbeln kann und dann auch noch arg mit dem Heimweg zu kämpfen hat.
Dennoch wurde der Tresen für unseren Heerführer eine Art symbolischer Gabenzaun, an dem überall drei Prozent hingen, die jedoch vom Gastwirt tapfer verteidigt wurden, der selbige als Ausgleich für bisher erlittene Verluste für sich in Anspruch zu nehmen und auch für ein halbes Jahr keine neue Speisekarte zu drucken gedachte.
Heerführer ohne Heer haben es schwer, ihre Forderungen durchzusetzen, um wie viel schwerer aber haben es die Zellstoff-Hamster! Das sind diejenigen, die vor ein paar Wochen sämtliche Lücken und Freiräume ihrer Behausung mit Klopapierrollen vollgestopft haben. Für die gilt der Lockdown nach wie vor und zwar solange, bis alle gehamsterten Vorräte aufgebraucht sind. Von einigen dieser Zeitgenossen können wir getrost jetzt schon Abschied nehmen, denn wir werden sie nie wiedersehen, weil es ihnen unmöglich sein wird, dieses Ziel zu Lebzeiten zu erreichen.
Über fünfhundert! Neue corona-bedingte Worte hat uns das erste Jahr der neuen Zeitrechnung bereits beschert, Mamu wird nicht die letzte Wort-Neuschöpfung sein. Diese Abkürzung steht für Maskenmuffel, aber was erkläre ich da, war doch wohl offensichtlich?

Bis neulich, Witz Witzkewitz.