Witz-Licht 16

0
194

War wohl nichts mit einer neuen Zeitrechnung, so wie ich das in „Witz-Licht 1“ behauptet habe. Nein, wir Menschen möchten doch allzu gern, dass alles weitergeht wie bisher und bitte ja nicht so etwas wie Neuanfang, das hat den Beigeschmack von Trennung und Liebeskummer, das wollen wir nicht. Nach einem halben Jahr haben wir uns an die Pandemie gewöhnt und sie in unseren Alltag integriert, maulend, jammernd und knurrend aber immerhin.

An die lästige Verwandtschaft aus dem Osten, die vor dreißig Jahren plötzlich wie aus dem Nichts aufgetaucht ist, haben wir uns ja auch gewöhnt und zur Not halten wir sie immer noch auf Distanz, ganz ohne Abstandsregeln und haben niemals davon zu träumen gewagt, dass es da einen Impfstoff… Lassen wir das.

Was wir gut können: Griffige Abkürzungen entwickeln, die als Eselsbrücken stehen. Aha, das also können wir. Aber nicht Aha, sondern AHA: Steht für

Abstand halten
Hände waschen
Atemschutz tragen.

Hätten wir uns die Füße waschen sollen, dann hätte es AFA geheißen und bei Gesichtswaschungen AGA. Bei letzteren hätte man ja bestimmt die Gesäßwaschung noch mit hinzunehmen können, weil GAGA viel griffiger ist als AGA.

Was wir gar nicht gut können: Das Corona-Regel-Wirrwarr zu entwirren. Dürfen nun fünfzig Personen feiern oder doch fünfhundert? Wann muss ich zum Pflichttest und muss ich danach in Quarantäne oder doch vorher? Wenn sie die Länder nicht bald einigen, dann wird es zum Herbst hin einen Familienfeier-Tourismus geben.

Natürlich will keiner einen weiteren totalen Lockdown, aber verhalten wir uns dementsprechend? Wir alle wissen, dass Angst ein sehr schlechter Ratgeber ist, aber Leichtsinn ist noch viel schlimmer. Nur weil kaum jemand im Freundes- und Bekanntenkreis Personen kennt, die an Covid-19 erkrankt waren oder sind, heißt das ja noch lange nicht, dass es keine Erkrankungen mehr gibt.

Inzwischen wissen wir erstaunlich viel über den Erreger und auch darüber, wie man sich bestmöglich schützen kann. Allerdings kann das, was gestern noch richtig war, heute schon falsch sein, das ist bei der Erforschung neu auftretender Phänomene völlig normal und auf keinen Fall sollte man das Kind mit dem Bade ausschütten und alle Wissenschaft verteufeln. Wissenschaftler wiederum behaupten, dass wir über das Virus noch viel zu wenig wissen und wahrscheinlich ist auch das richtig.

Außer ignorieren gibt es noch etwas, was wir ebenfalls sehr gut können: Spekulieren. Ist doch ganz normal, dass jetzt die Fallzahlen steigen, weil wir doch viel mehr testen, was will man denn da anderes erwarten? Sicherlich ist dies auch richtig, aber eben nur auch, denn es lässt sich nun einmal nicht belegen, wie viele ansonsten unerkannte harmlose Krankheitsverläufe dadurch ans Tageslicht kommen. Und ob die wirklich harmlos sind, das können wir ebenfalls nicht mit Sicherheit sagen, denn immer mehr Spätfolgen werden bekannt, im Moment betrifft das eher die schwereren Krankheitsverläufe. Das aber könnte damit zu tun haben, dass die Folgen der sogenannten leichten Krankheitsverläufe kaum oder noch gar nicht untersucht wurden.

Und dass nur die Alten erkranken, stellt sich auch immer mehr als Mär heraus.

Wir werden also noch eine ganze Weile mit dem Virus leben müssen, vorsichtigen Schätzungen zufolge wird auch 2021 ein Corona-Jahr werden. Wichtig ist, dass für möglichst alle Branchen ein Überleben trotz Corona gesichert wird. Mir liegt da vor allem die Veranstaltungsindustrie am Herzen, weil ich mein Berufsleben in dieser Sparte verbracht habe und genau weiß, dass da nicht nur die paar Leutchen gemeint sind, die auf der Bühne stehen (auch wenn das Hunderte oder gar Tausende sind). Da hängt nämlich noch ein ellenlanger Rattenschwanz an Personal dran, vom Management über die zahlreichen Technikfirmen bis zu den externen Dienstleistern, die beispielsweise für Catering und Merchandising zuständig sind – um nur mal die Bandbreite anzudeuten.

Corona wird uns weiterhin beschäftigen, einen schönen Altweibersommer wünscht

Witz Witzkewitz.