Witz-Licht 17

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Bald ist Weihnachten! Nein, ich bin in den letzten zwei Wochen nicht noch verrückter geworden, als ich es vorher schon war. Natürlich weiß ich, dass bis Heiligabend noch mehr als ein Vierteljahr hin ist, aber die Erfahrungen aus den letzten Jahren lehren mich, dass aus einem Vierteljahr quasi über Nacht erst zwei Monate, dann vier Wochen und plötzlich nur noch ein paar Tage werden.

Die ersten Anzeichen sind ja schon da: Es gibt wieder Spekulatius zu kaufen. Und Probe-Weihnachtsmärkte gibt es neuerdings auch, so wie in Lübeck. Dort wird (momentan noch ohne Glühwein) Corona-Weihnachtsmarkt geprobt: Wie weit müssen die Stände voneinander entfernt sein, soll der Weihnachtsmarkt quer über die Stadt verteilt werden? Heidelberg hat das vor ein paar Jahren schon vorgemacht, ohne Corona-Zwang. Die hatten kapiert, dass der Umsatz größer wird, wenn die Leute nicht ewig Schlange stehen müssen. Momentan also alkoholfreie Testphase, später werden nach dem dritten Glühwein sowieso alle Corona-Regeln vergessen sein.

Kommen wir zu etwas völlig anderem: Die Theater dürfen wieder Publikum empfangen und können so in eine neue Spielzeit starten. Also fand auch zur Spielzeiteröffnung am 6. September das traditionelle Theaterfest am Staatstheater Braunschweig statt.

Prima organisiert: Auf dem gesamten Vorplatz sollte Gesichtsschutz getragen werden, aber warum hat man ausgerechnet dort den Grillwagen platziert? Wollte man ausprobieren, ob die Besucher sich die Fritten hinter die Binde schieben? Falls doch noch ein neuer Lockdown droht, diesmal die Restaurants aber geöffnet bleiben dürfen, die Gäste aber mit Mund-Nasen-Schutz essen und trinken müssen?

Sinfonie-Konzerte wird es ab diesem Monat auch wieder geben und wegen des größeren Abstands kann man dann die Outfits der Besucher viel besser studieren. Schließlich geht man deswegen zum Konzert, wen interessiert schon das langweilige Gedudel?

Wie wird sich die junge Generation verhalten? Kleidet sich die junge Dame wie ihre Großmutter oder bevorzugt sie den Super-Mini und ein Oberteil mit weitem Ausschnitt? Und passt ihrem Begleiter der Konfirmationsanzug noch oder muss er gezwungenermaßen in Jeans, Pulli und Jackett erscheinen?

Aber auch die ältere Generation überrascht mich immer wieder mit gewagten Kreationen. Fragte mich doch vor Jahren mal ein Ostberliner Schauspieler, woran man den Unterschied zwischen Theater Ost und Theater West erkennt. Wusste ich bis dahin nicht, er erklärte es mir: Im Westen riechen die ersten zwanzig Reihen nach Gruft. Seitdem schaue ich immer, ob jemand im Leichenhemd erschienen ist.

Scheinbar übt man bei Kulturveranstaltungen, wie weit man mit seinem Outfit aus der Reihe tanzen muss, um bei Vernissagen wahrgenommen zu werden. Früher konnte man dort ja den Künstler anhand seines ausgefallenen Outfits erkennen, was heutzutage nahezu unmöglich ist, weil es vorkommen kann, dass der Künstler am unscheinbarsten gekleidet ist und auf seine ausgefallenen Arbeiten verweist (die natürlich keine Sau interessieren).

Auf ein Highlight zur Weihnachtszeit freue ich mich aber schon jetzt: Sicherlich wird es eine Schwanensee-Aufführung geben und hoffentlich bekomme ich eine Karte. Was auf der Bühne passiert, wird mich einen Scheißdreck interessieren (solange das Pas De Deux nicht von John Cleese und seinen Monty-Python-Kumpels performt wird).

Aber die russischen Damen, die so gekleidet sind, als ob sie aus dem nächstgelegenen Edel-Bordell direkt ins Theater gekarrt worden wären, haben meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Ihre Männer, die die edelsten und teuersten Designeranzüge tragen und dennoch so aussehen, als ob sie diese aus dem Altkleidercontainer gezogen hätten, selbstverständlich auch.

Bis neulich,

Witz Witzkewitz.