Witz-Licht 18

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Schnauze halten oder Maul aufreißen? Beides, aber immer zur rechten Zeit.

Eigentlich sollte „Spit John“, ein Projekt von Studierenden der HBK Braunschweig unter der Leitung von Dr. Thomas Becker (HBK) und Nele Kaczmarek (Kunstverein Braunschweig), das seit ein paar Wochen im Internet zu bewundern ist (http://spit-john.de) in einer leerstehenden Zahnarztpraxis als reale Ausstellung stattfinden. Eine Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Wolfsburg war geplant… Corona hat – wie bei zahlreichen anderen Projekten auch – einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was ist geblieben? Die Ausstellung „In aller Munde. Von Pieter Bruegel bis Cindy Sherman“ wird vom 31.10.2020 bis 05.04.2021 im Kunstmuseum Wolfsburg stattfinden. Während des zurückliegenden Sommersemesters sind die Studierenden mit der Kuratorin Dr. Uta Ruhkamp in Austausch getreten und haben sich mit der bevorstehenden Ausstellung auseinandergesetzt. In der Pressemitteilung zu Spit John heißt es: „Inspiriert von Recherchen über die kulturgeschichtliche, kosmetische, magische, symbolische, medizinische oder psychologische Bedeutung des Oralen setzt sich die Gruppenausstellung aus Videoarbeiten, Texten, GIFs, Online-Shop-Angeboten, Soundarbeiten, 3-D-Walking-Tours oder auch Heilungsschwüren von 19 Studierenden zusammen.“

Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten galten als die klassischen Sinne des Menschen. Inzwischen hat die Wissenschaft zwei weitere Sinne „erfunden“: Das Gleichgewicht und das Bauchgefühl (auch Intuition genannt). Jahrhundertelang versuchte man im Abendland, eine Hierarchie der Sinne aufzustellen und behauptete, der Sehsinn würde an erster Stelle stehen. Was ja in unserer Kultur (teilweise) stimmen mag, es gilt aber nicht kulturübergreifend. Außerdem wissen wir mittlerweile, dass es zwischen unseren Sinnen ein komplexes Zusammenspiel gibt und das wir für unsere Wahrnehmung alle unsere Sinne gleichzeitig benötigen. Eine Hierarchie aufzustellen ist also Unsinn. (Wann endlich wird der Unsinn als 8. Sinn anerkannt und wird meine Leistung als Entdecker entsprechend gewürdigt?) Auch wenn wir scheinbar einzelne Sinne bevorzugen, wir können die anderen nicht ausklammern. Hat der liebe Gott schon sehr schön eingerichtet. Der ist übrigens ziemlich verschnupft, wenn man ihn als Urknall anbetet. Klingt ja auch ein wenig sonderbar: „Vater Urknall, der du bist im Himmel, gefeuerwerkt werde dein Name, Dein Knall komme wie im Himmel so auf Erden und-so-weite-rund-so-fort“ Das ist die Gemeinsamkeit zwischen Gott und mir: Wir mögen unsere Spitznamen nicht. Leider ist es auch die einzige Gemeinsamkeit (Leider meine ich natürlich aus Gottes Sicht, ich hätte da noch so einiges zu bieten, damit er endlich meinem Bilde ähnelt, auf den Bierbauch darf er auch gern verzichten…)

Aber jetzt bin ich alte Plaudertasche wieder vom Pfad abgekommen („Umwege verbessern die Ortskenntnis“, Zitat von Dr. Thomas Becker), zurück zu den Sinnen (sollte ich jemals in den Adelsstand erhoben werden, dann möchte ich „Hans von Sinnen“ heißen – aber die humorlose, blaublütige Inzucht wird alles tun, dies zu verhindern und ich werde es mild lächelnd gutheißen ).

Vor allem Philosophen haben versucht, die menschlichen Sinne in rein und unrein einzuteilen, Schmecken war „selbstverständlich“ unrein, schließlich konnte der Mund ja auch spucken. Leider wird man beim Aufrufen der Website „spit john“ nicht sofort aus dem Monitor heraus angespuckt, die Programmierenden Tanja Schütz und Tarek Schneider arbeiten daran (danke für den exzellenten Job, den ihr geleistet habt) und möglicherweise ist da ja noch das Tool „John spuckt wirklich“ in der Entwicklung, die paar Euro für die Hardware-Erweiterung wird dann von der HBK übernommen, oder vom Land Niedersachsen, lach, lach…

Jedenfalls gibt es in der virtuellen Zahnarztpraxis eine Menge zu entdecken, eigentlich kann man sich stundenlang mit dieser Website beschäftigen und sich nie sicher sein, wirklich alles gefunden zu haben und ich verrate eines: Bei einem einzigen Kontakt ist es unmöglich, alles zu entdecken.

Warum ich nun so uneigennützig auf den „Spuckenden John“ hinweise? Ganz einfach: Ein Hans Witzkewitz macht da auch mit und das bin zufälligerweise ich. Von wegen uneigennnützig!

Dieser Hans Witzkewitz beschäftigt sich nicht nur mit dem Küssen und dem Froschkönig, sondern auch mit dem sozialistischen Bruderkuss: „Und es begab sich, dass Leonid den glibschigen Erich an die Wand warf, nicht nur einmal. Endlich merkte er, dass aus dem saarländischen Dachdecker niemals ein Prinz werden würde…Mehr gibt es hier nicht Gilt es zu entdecken.

Schnauze voll? Schade.

Bis neulich, Witz Witzkewitz.