Witz-Licht 2

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Als ich vor drei Wochen nur noch zwei Rollen Klopapier im Schrank hatte, notierte ich dies auf meinem Einkaufszettel, wunderte mich, dass der örtliche Discounter so wenig davon vorrätig hielt und noch mehr staunte ich darüber, dass alle anderen im Markt wohl auch nur noch zwei Rollen zuhause hatten und mit einem glücklichen Lächeln die „handelsübliche Menge“ in ihren Einkaufswagen legten. Eigentlich hätte ich von dieser künstlich erzeugten Knappheit gar nichts mitkriegen müssen, aber sie erinnerte mich an eine Episode aus der guten alten Planwirtschaft der DDR, die sich eigentlich von einer einzigen Person aushebeln ließ. Diese eine Person musste nur im „Konsum“ den halben Einkaufswagen voller Zucker laden und sich auf dem größtmöglichen Umweg zur Kasse staunenden Blicken aussetzen, bis sich endlich jemand zu fragen traute, was das denn zu bedeuten habe und dann hinter vorgehaltener Hand mitteilen, dass die kubanischen Freunde dieses Jahr eine ganz schlechte Zuckerrohrernte erwarteten und dass deshalb demnächst Zucker knapp werden würde. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hätte sich diese Nachricht wie ein Lauffeuer verbreitet und alle würden sicherheitshalber ein paar Tüten auf Vorrat kaufen. Solange das funktionierte, denn bald schon würde das Zuckerregal leer sein und das für lange Zeit, denn eine Planwirtschaft war unflexibel: Man hatte einmal hochgerechnet, wie viele Tüten Zucker ein Haushalt pro Jahr benötigte und mehr wurde nicht produziert. Basta. War ja auch irgendwie vernünftig, aber Vernunft ist ja etwas, woran wir domestizierten Primaten gern appellieren und nicht merken, dass dieser Appell allzu oft ins Leere geht.

Zurück zu meinem Einkauf: Gerade als ich dabei war, den übervollen Einkaufswagen (1 Packung Toilettenpapier, 5 Säcke Blumenerde, 1 Kasten Mineralwasser, Käse, Schweizer Wurstsalat, Butter und Milch) in den Kofferraum umzuladen, wurde ich plötzlich aus sicherer Entfernung angemault, ob ich es denn nicht unverschämt fände, soviel Klopapier zu kaufen und anderen nichts übrig zu lassen. Zuerst hielt ich es für einen Scherz und wollte schon erwidern, dass sie ausgerechnet diesen Artikel hier nicht rollenweise verkaufen und mich quasi genötigt hatten, eine ganze Packung zu erwerben. „6 Packungen!“ Brüllte es in meine Richtung und jetzt begriff ich, dass dieser Mann Klopapier nicht von Blumenerde unterscheiden konnte! Da wollte ich nun einen neuen Hamster-Trend setzen (weg vom Toilettenpapier, hin zur Blumenerde) und nun das! Wenn die Leute jetzt auch noch anfangen würden, ihren Allerwertesten mit Blumenerde zu putzen, dann hätten die Stadtwerke es demnächst mit neuartigen Verstopfungen der Kanalisation zu tun und ich müsste zitternd zuhause sitzen, um nicht als Schuldiger in Regress genommen zu werden.

Aber warum man bei einer Erkrankung der Lunge und der Atemwege ausgerechnet Toilettenpapier hamstern muss, wird sich mir wohl nie erschließen. Die Holländer horten Haschisch, die Amerikaner Medikamente, alles nachvollziehbar. Aber Klopapier? Ein Freund, den ich neulich am Telefon danach fragte, stellte mir eine Gegenfrage: Wie stirbt der Deutsche? Bevor ich reagieren konnte, hatte ich auch schon die Antwort im Ohr: Gut frisiert und mit geputztem Arsch.

Weil ersteres im Moment sehr schwierig ist, dann ist letzteres wohl doppelt wichtig. Hätten wir dafür also schon mal eine schlüssige Erklärung, die ich für die nächste Kuriosität leider nicht anbieten kann: Die Maschinenstürmer sind zurück! Diesmal zünden sie in Großbrittanien Masten der „Mobilfunk-Verschwörung“ an, weil ja das G5-Netz unser Immunsystem schwächt und so die Covid 19-Viren mit den quasi schutzlosen menschlichen Organismen machen können, was sie wollen. Aha, Elektrosmog ist also wieder gefragt, dabei hatte ich dieses Wort schon für ausgestorben gehalten. Wäre ja auch blöd, wenn in der Werbung von Elektrosmog geschwärmt würde, nicht nur im Keller, nein sogar im Schrank! Empfang klingt da doch viel besser und fängt auch mit „E“ an.

Unsere Briten! Inselaffen sind schon eine ganz spezielle Horde, die wollen mit uns Festlandsaffen ja auch nichts mehr zu tun haben. Ihr Alpha-Männchen hat inzwischen lernen dürfen, dass Covid-19 nicht mal vor Blondinen zurückschreckt, aber ob er das wirklich verstanden hat? Wir werden sehen.

Ach ja, beim Discounter ist Blumenerde momentan aus. Ich hätte noch 5 Säcke abzugeben…

untrügliche Frühlingsboten

Einen schönen Frühling, Ihr Witz Witzkewitz.