Witz-Licht 26: Trumps Ende

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In einem demokratisch regierten Land zu leben, ist für uns mittlerweile so selbstverständlich geworden, dass wir uns nichts anderes mehr vorstellen können, wir haben uns daran gewöhnt und was das schlimmste ist: Es ist uns egal, wir kümmern uns nicht mehr darum. Wir dulden es, dass eine demokratisch gewählte Partei die Demokratie angreift und am liebsten abschaffen würde. Wie war das doch mit den allerdümmsten Kälbern, die ihren Schlächter selber wählen? Brecht lässt grüßen. Oder hat Machiavelli doch recht mit seiner Behauptung, dass das Volk eines Tages jeder Staatsform überdrüssig werde? Er kannte zwei Formen des Staates: Die Diktatur (bei ihm ist das „Der Fürst“) und die Demokratie, die als „das Prinzip“ beschrieben wird. Seiner Meinung nach lösen sich beide ab wie Ebbe und Flut, weil keine von ihnen ideal ist und sein kann.

Gab es eigentlich in der Geschichte mal einen Diktator, der kein Tyrann war und sein Land zum Wohle des Volkes regiert hat? Ich möchte gar nicht weit zurückgehen, sondern suche in der jüngeren Vergangenheit. War Deng Xiaoping ein „guter“ Diktator? Er wurde nie gewählt, führte China aber in eine Art von Marktwirtschaft, die für große Teile der Bevölkerung mehr Wohlstand und größere persönliche Freiheiten brachte. 18 Jahre führte er das Riesenreich und niemand vor oder nach ihm hat es geschafft, das Leben so vieler Menschen in so kurzer Zeit zu verbessern. Auf der anderen Seite verteidigte er das Massaker auf dem Tiananmenplatz in Peking und er herrschte, indem er Furcht verbreitete. Muss ich ihn deshalb mit Adolf Hitler, Josef Stalin oder Mao Tsetung gleichsetzen?

Gute Diktatoren zu finden ist also ein ziemlich schwieriges und auch riskantes Unternehmen, bei schlechten Demokraten sieht das anders aus. Da haben wir ja das aktuelle Beispiel eines Präsidenten, der sein Amt damit missbraucht hat, sich wie ein Diktator aufzuführen und vier Jahre lang gezeigt hat, dass Demokratie durchaus verwundbar ist. Schafft es sein Nachfolger, Amerika wieder groß zu machen, indem er den Riss kittet, der seit Jahrzehnten das Land spaltet und immer größer geworden ist? Was soll man von Menschen halten, für die eine gesetzliche Krankenversicherung gleichbedeutend mit Kommunismus ist? Soll man die mal ein Jahr nach Nordkorea schicken?

Vielleicht haben wir in den letzten Jahrzehnten den Fehler gemacht, die Demokratie wie eine heilige Kuh zu behandeln und hoch oben auf einen Sockel zu stellen, unerreichbar für „normale Menschen“? Demokratie ist angreifbar (im wahrsten Sinne des Wortes: man muss sie greifen und begreifen, zu fassen kriegen und sie leben), aber ist sie uns wirklich so wenig wert, dass wir beinahe tatenlos und achselzuckend ihrer Zerstörung zuschauen, anstatt sie zu stärken?

Ach ja, wir sind ja das Volk. Was ist das eigentlich? Eine Begriffsbestimmung bringt uns auch hier nicht viel weiter, jeder benutzt das Wort und keiner weiß, was es genau bedeutet. Wer gehört zum deutschen Volk? Alle, die mit deutscher Staatsbürgerschaft hier leben oder nur die, die auch in Deutschland geboren sind? Und wie sieht es aus mit schwulen Muslimen, die hier geboren sind und einen deutschen Pass besitzen?

Und gleich noch die nächste provokante Frage: Wann wird aus dem Volk der Mob? Nein, ich meine nicht die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, die sich so abkürzt, auch nicht die amerikanische Hardrock-Band mit dem gleichnamigen Debüt-Album, sondern den Mob, der vor ein paar Tagen das Kapitol gestürmt hat.

Laut Wikipedia ist Mob eine aufgewiegelte Volksmenge, dem kann ich zustimmen. Von wegen gesetzestreue Bürger, wie einige der Kapitolerstürmer vor laufenden Kameras behaupteten. Oder wie der Republikaner Schwarzenegger in seinem Vergleich vom Ende der Weimarer Republik und den USA heute feststellt: Alles begann mit Lügen, Lügen, Lügen.

Zum Schluss fällt mir noch ein alter Leonard-Cohen-Song ein, den ich jetzt plötzlich ganz anders verstehe: „Democracy is coming to the USA“: Ja, möge sie durch ein Loch im Himmel oder durch einen Riss in der Wand kommen oder wenn es denn sein muss auch auf einer visionären Alkoholflut, wie es im Text heißt, Hauptsache die Demokratie kommt in die USA.

Bis neulich,

Witz Witzkewitz

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