Witz-Licht 3

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Im Moment läuft ein bundesweiter Frauen-Test: Wer näht die beste Corona-Burka? Aus dem Vermummungs-Verbot wurde ja im Handumdrehen ein Vermummungs-Gebot und dieser Mundschutz darf beim Tragen weder hinter den Ohren kneifen noch in die Augen rutschen, eng anliegen muss er sowieso und nett anzusehen sollte er auch noch sein. Möglichst etwas über die Persönlichkeit des ansonsten kaum noch zu erkennenden Trägers aussagen.

Ich wünsche mir einen Mundschutz, auf dem das Corona-Virus abgebildet ist, aber immer wenn ich diesen Wunsch äußere, werde ich mit verächtlichen Blicken gestraft (Nicht wegen dem Muster auf dem Mundschutz, sondern wegen meiner Vorstellung einer Modenschau, bei der lediglich mit einem Mundschutz bekleidete Models über den Laufsteg stolzieren).

Soweit zu den Frauenzimmern, kommen wir nun zu den Mannsbildern (um mal zwei Begriffe aus Goethes Zeit aufleben zu lassen). Seit Wochen „macht“ der deutsche Angestellte „Home Office“. Der Anglizismus ist hier ungeheuer wichtig: Heimarbeit würde so klingen wie Topflappen-Häkeln oder Strickliesl-Arbeiten (obwohl beides in vielen Fällen sicherlich produktiver wäre).

Deshalb Home-Office: Das Familienoberhaupt sitzt mit frisch gebügeltem Hemd, sorgfältig gebundenem Schlips und in Schlafanzughose vor dem heimischen Rechner und wartet auf die nächste Videokonferenz (die so gut wie nichts bringen, aber von allen Beteiligten im Nachhinein als ungemein wichtig eingestuft werden wird). Naja, der Chef kann dann zufriedenstellend festhalten, dass seine Angestellten zumindest schon mal aufgestanden sind.

Früher traf man sich im Besprechungsraum der Firma, redete wortreich um den heißen Brei herum, weil sich natürlich keiner die Zunge verbrennen wollte, trauerte insgeheim der vergeudeten Lebenszeit hinterher und beteuerte lautstark, wie erfolgversprechend und unverzichtbar solche Meetings doch seien.

Bei Videokonferenzen laufen ab und an Hunde, Katzen, Kleinkinder, Ehefrauen oder andere Haustiere durchs Bild, was die Atmosphäre etwas auflockert und vielleicht als Anregung dienen könnte, derartige kleine Einlagen zukünftig auch im Besprechungsraum darzubieten, sobald dieser wieder genutzt werden darf. Wenn also die Videokonferenzen genauso wenig bringen wie reale Meetings, so vermitteln sie ja gerade dadurch einen Hauch von Vertrautheit und den Anschein des Gewohnten. Sehr wichtig in solch schwierigen Zeiten.

Beinahe aber noch wichtiger ist der richtige Hintergrund für die Videokonferenzen. Keiner der Kollegen soll doch im April den völlig entnadelten Weihnachtsbaum sehen, den man im Januar vergessen hat, vom Balkon zu werfen und an dessen Immer-noch-Vorhandensein man sich inzwischen gewöhnt hat und der mit Osterdeko eigentlich wieder ganz passabel aussieht (Bis wann soll man die eigentlich weggeräumt haben? Wenn es im Handel die ersten Schoko-Weihnachtsmänner gibt?)

Am besten also das Notebook so stellen, dass die eingebaute Kamera im Hintergrund ein Bücherregal zeigt. Nein, die Porno-Sammlung muss man nicht extra in den Keller räumen, es genügt, wenn man sie verdeckt. Am besten mit Kunst (oder dem, was man dafür hält): In der Mappe der bei der HBK abgelehnten Tochter wird man doch bestimmt fündig oder Mann ermutigt die Gattin, das im VHS-Kurs vor 4 Jahren begonnene Stillleben doch nun endlich zu beenden und verspricht als Belohnung eine zweistellige Zahl von Betrachtern (ja, der kunstinteressierte Aufsichtsratsvorsitzende sei auch dabei und würde bestimmt Kaufinteresse bekunden). Der im Flur den Wasserfleck auf der Tapete überdeckende Bilderrahmen mit dem Filmplakat von „Dirty Dancing“ muss dann für die nächste Zeit eine neue Aufgabe übernehmen.

Selbstverständlich muss man Kollegen und Vorgesetzten auch zeigen, dass es einem gerade in schwierigen Zeiten den Umständen entsprechend gut geht, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hat und auf alle Befindlichkeiten vorbereitet ist.

Auf keinen Fall protzen! Die Firmen-Hierarchie muss auch beim Home-Office-Background gewahrt bleiben, deshalb vier Vorschläge für einen perfekt gestalteten Hintergrund, die selbstverständlich kein Zwang, sondern lediglich Gestaltungshilfe sein wollen. Der eigenen Kreativität sind wie immer keine Grenzen gesetzt.

einfacher Angestellter

 

 

 

 

 

 

 

Vorarbeiter

mittleres Management

ab Prokurist aufwärts

Bis nächste Woche, Ihr Witz Witzkewitz.

PS: In dieser Kolumne sind die Verschwörungstheorien zu kurz gekommen. Wird nachgeholt, versprochen!