Witz-Licht 33 Frühlingserwachen

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Auf das es endlich Frühling werde. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir ja schon erhalten, allerdings war der sehr klein. Nicht alle genießen diese Jahreszeit, Pollenallergiker haben es mal wieder nicht leicht. Aber fast alle anderen freuen sich darauf, dass sich ein Teil unseres Lebens wieder im Freien abspielen kann.

Dieses Wochenende war ich nicht der einzige, der im Garten gehackt, gejätet, gesät und gepflanzt hat. Aber was soll ich sagen: Kaum hatte ich die neuerworbenen Stauden und Bodendecker eingepflanzt und mühsam mit der Gießkanne bewässert, begann es zu regnen. Die Natur ist eben auch nicht mehr das, was sie früher mal war, heutzutage muss man ihr alles zeigen und vormachen. Ich überlege jetzt, meinen Feuerkorb ganztägig zu betreiben, damit sie endlich begreift, dass es wärmer werden soll. Im großen Ganzen aber bin ich schon mit der Natur zufrieden, der Kirschbaum steht kurz vor der Blüte und die Apfelbäume werden ihm nacheifern, so langsam kann ich erkennen, was im Garten wieder austreiben wird.

Meine Nachbarn dagegen erfreuen sich an ihren nagelneuen, blütenweißen Plastikstapelstühlen, trimmen ihren Rasen und schneiden ihn auf Kante und haben schon mal angegrillt. Im engsten Familienkreis natürlich. Jedem Tierchen…usw.

Selbstverständlich ist der Frühlingsanfang ein Grund zum Feiern! Aber können wir das denn überhaupt noch? Feiern bedeutet ja, ein Fest zu begehen, die Arbeit ruhen zu lassen (okay, das können wir, manch einer hat momentan mehr Feierabend, als ihm lieb ist).

Verwechseln wir aber nicht allzu oft Feiern mit übermäßigem Fressen und Saufen, gepaart mit haltlosem Über-die Stränge-Schlagen? Solange, bis es nicht mehr feierlich ist?

Unsere Jahreskreisfeste sind ja ausnahmslos kirchlich besetzt, die Wiederkehr des Lichts am 2. Februar beispielsweise nennen wir Maria Lichtmess und Ostern ist längst kein Fest der Fruchtbarkeit mehr, auch wenn sich durch die Gestalt des Eier bringenden Osterhasen davon wieder ein kleine Idee durch die Hintertür herein geschlichen hat.

Ich habe mich ein klein wenig in der Welt umgesehen (in diesem Fall in der Welt des Internets) und mal geschaut, wie in anderen Gegenden das Frühjahr begrüßt wird. In England, in der Nähe von Bristol, findet jährlich das Gloucester Käserollen statt. Dazu wird ein Käserad den Cooper´s Hill, einen sehr steilen Hügel, hinuntergerollt und fast sofort werfen sich die Teilnehmer hinterher. Unten gibt es eine Ziellinie und der Gewinner muss diese als erste überqueren, von überschreiten kann man hier wohl nicht mehr sprechen. Was das mit Frühlingsanfang zu tun und wozu sie den Käse brauchen – keine Ahnung. Möglicherweise handelt es sich hier ja um eine Spätform der Abtreibung, aber bisher soll es keine Toten, sondern lediglich Verletzte gegeben haben. Um Engländer müssen wir uns aber keine Gedanken machen, gehören ja nicht mehr zu uns.

Anders sieht es mit Indern aus, die Dank ihrer IT-Kenntnisse von uns umworben werden. Die begrüßen den Frühling mit dem Holifest, die Nordinder jedenfalls. Dabei bewerfen und bespritzen sie sich gegenseitig mit knallbunten Farben. Dies soll die Farbenpracht des Frühlings widerspiegeln.

Als ich 1997 zur Zeit dieses Festes im Norden Indiens weilte, habe ich aber lieber an diesem Tag das Hotelzimmer nicht verlassen, nachdem sich unter den Touristen herumgesprochen hatte, dass bei dieser Gelegenheit nicht nur harmlose Farbpulver zum Einsatz gelangen, sondern dass es durchaus üblich ist, sämtliche Farbreste zu „entsorgen“ und ich wollte nicht unbedingt mit einer Lackierung aus Nitrofarbe herumlaufen. Ich habe mir die Farbenpracht des nordindischen Frühlings einfach vorgestellt und wollte nicht unbedingt ein Teil davon sein.

Inzwischen scheint dieses Fest selbst in Berlin angekommen zu sein, Karl Lauterbach, der Gesundheitsexperte der SPD, weiß ein Lied davon zu singen: Zwar nicht er, aber sein Auto durfte Holi feiern.

Da begnügen wir uns doch lieber mit Hexenritten in der Walpurgisnacht,

einen schönen Frühling wünscht

Witz Witzkewitz.

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