Witz-Licht 41 Die Dinge beim Namen nennen

0
258

Schön, das alle Dinge einen Namen haben, also mindestens einen. Allerdings versuchen wir mit der deutschen Sprache sehr oft, eine mathematisch exakte Definition zu liefern, was die Sache aber meist komplizierter macht, als nötig wäre. Die Engländer scheinen mit ihrer Sprache besonders in Fachbereichen einen griffigeren und damit praktischeren Umgang zu pflegen.

So sagt man am deutschen Theater: „Mach doch mal das Arbeitslicht aus.“ In England genügen dafür drei Worte: „Kill the workers“ und jeder weiß, dass jetzt nicht die Bühnenarbeiter umzubringen sind, sondern dass die Lampen auszugehen haben, die nicht für szenische Ausleuchtung gedacht sind, sondern für eine möglichst gleichmäßige und helle Arbeitsbeleuchtung sorgen sollen. Nun ist der deutsche Begriff „Arbeitslicht“ auf Anhieb verständlich, im Englischen heißen die Dinger eigentlich auch „working lights“, aber bei uns würde kein Mensch auf die Idee kommen, aus Arbeitslichtern Arbeiter zu machen.

Anderes Beispiel: Überall in der Veranstaltungstechnik, wo Licht und Ton eingesetzt werden, gibt es für beide Gewerke je eine Stelle, an der alle Leitungen (Nein, die Dinger heißen nicht Kabel, weil Kabel in der Erde liegen) zusammenlaufen. Hierfür hat sich der englisch-deutsche Begriff „Patchfeld“ durchgesetzt. Patch bedeutet flicken und nichts anderes ist dieses Zusammenstecken mit Hilfe von Patchleitungen. Die Begriffe „Softpatch“ und „Hotpatch“ lassen sich dann auch sehr leicht dem Steuerspannungs- und Lastspannungsbereich zuordnen. In letzterem kann es wirklich hot, also heiß hergehen, denn wenn man da nicht aufpasst, kann es lebensgefährlich werden.

Nun ein kleines Gedankenexperiment: Deutsche Ingenieure hätten all diese Dinge benennen müssen. Natürlich wären sie nie auf die Idee gekommen, „Flickleitungen“ einzusetzen, das klingt ja wie notdürftig zusammen geschustert (ohne das inzwischen selten gewordene Handwerk der Schuster beleidigen zu wollen)!

Nein, es wären wahrscheinlich „Provisorische Lastverbindungsleitungen“ geworden, die eine bestimmte Länge nicht überschreiten und nur im „Provisorischen Lastverbindungssteckfeld“ verwendet werden dürfen und sich deutlich von den „Provisorischen Steuerverbindungsleitungen“ unterscheiden müssen, um nicht mit diesen verwechselt werden zu können. Bis man das alles korrekt ausgesprochen hätte, wäre die Veranstaltung längst vorbei.

Aber bleiben wir noch ein wenig bei der Beleuchtungstechnik, nur um zu zeigen, wie schnell die eigentlich gute Idee, verständliche und klar definierte Begriffe einführen zu wollen, scheitern kann. In der Beleuchtungstechnik kennt man kein „Leucht-Obst“, nein, diese birnenförmigen Objekte heißen Glühlampen und werden in Leuchten eingesetzt. Nöh, höre ich Tante Erna sagen, was da an der Decke hängt, sind die Schlafzimmer- , die Flur- und die Küchenlampe und ab und zu muss mein Herbert da eine neue Birne einschrauben, nämlich dann, wenn die alte kaputt gegangen ist. Nur im Wohnzimmer haben wir einen Kronleuchter, aber da sind auch Birnen drin, Glühbirnen, nicht wahr Herbert?

Herbert, der gelernter Elektriker ist und es besser wissen sollte, nickt wohlweislich, fällt ihm doch auf der Stelle ein, dass er beim letzten Mal, als er seiner Erna widersprochen hatte, zwei Wochen lang nicht in Ruhe Fußball hatte gucken können, weil die Frau entweder dazwischen geredet oder umgeschaltet hatte.

So wird also aus der Glühbirne niemals eine Glühlampe und aus der „Neonröhre“ auch keine Leuchtstofflampe werden (die übrigens in einer Leuchtstoffleuchte leuchtet und nicht „brennt“, was die Glühlampe auch nicht tun sollte, weil sonst die Feuerwehr kommen müsste).

Eben schaut mir meine Frau beim Schreiben über die Schulter und behauptet, es würde weder Glühlampe noch Glühbirne heißen, sondern „Leuchtmittel mit Wolfram-Faden“, so hätte sie es in der Schule gelernt.

Ich freue mich, solch eine kluge Frau zu haben und verbleibe wie immer bis neulich,

Witz Witzkewitz.