Witz-Licht 46 Hoffentlich merkt es keiner!

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Eine Kolumne von Hans Witzgewitz:

1986 veröffentlichte Rio Reiser den Song „König von Deutschland“. Anlässlich eines Remakes 1994 mit überraschender Chartplatzierung führte der NDR eine Umfrage unter Hamburger Passanten durch: „Was würden Sie tun, wenn Sie König von Deutschland wären?“ Gar Erstaunliches, Skurriles und auch Unerfreuliches kam zutage, natürlich auch jede Menge Banales und nicht Erwähnenswertes, aber eine Antwort, die nur aus einem Wort bestand, habe ich in Erinnerung behalten: „Zurücktreten!“

Nette Einleitung, aber wie kriege ich jetzt die Kurve von Rio Reiser zu Manuel Kaatz? Der ist nämlich nicht zurückgetreten, nein, er trat gar nicht erst an. Allerdings hätte er sich das viel eher überlegen und gar nicht erst aufstellen lassen sollen!

Der Reihe nach: Am 12.10.21 veröffentlichte die Gemeindewahlleiterin der Gemeinde Cremlingen eine öffentliche Bekanntmachung, in der mitgeteilt wurde, dass Manuel Kaatz sein Mandat für die Gemeinde Cremlingen nicht angenommen hatte.

Folgte eine Presseerklärung mit Begründung? Das wäre er ja seinen 375 Wählern doch wohl schuldig gewesen? Fehlanzeige. Später wird der junge Mann bedauern, dass es nicht möglich war, in dem Formular der Gemeinde eine Begründung abzugeben.

Cremlingen.online veröffentlichte die Mandats-Nicht-Annahme mit einem kurzen Statement von Ulli Schwarze und am 15.10. bot ich Manuel Kaatz per eMail an, mit ihm über die Gründe seiner Mandats-Nicht-Annahme zu telefonieren.

Hallo Herr Witzkewitz, vielen Dank für Ihr Interesse, Ulli Schwarze hatte allerdings gestern schon direkt reagiert und zumindest einen Kommentar von mir “abgedruckt”, in dem ich auf die Gründe näher eingehe.

Das war die Antwort und natürlich kannte ich diesen Kommentar: Ich werde Ulli Schwarze bitten seinen Artikel um den Grund für meine „Nicht-Annahme“ zu erweitern. Dann kann sich wirklich jeder seine Meinung bilden.

Was ich hiermit tue. Beginnend mit umso bedauerlicher finde ich es, wie hier meine Entscheidung komplett ohne journalistische Recherche (ich hätte auf eine eine einfache Frage gerne geantwortet!) hingestellt wird. Er hatte ja an meinem Gesprächsangebot kein Interesse und muss ich einem Möchtegern-Nachwuchs-Lokalpolitiker hinterherrennen? Möglicherweise hätte ich ja mehr als eine Frage gehabt und vielleicht wäre da nicht nur eine einfache, sondern auch eine komplexere Fragestellung dabei gewesen? Beeindruckend finde ich allerdings die Mitteilung, dass er sich mit dem Wissen aus der Liebe zu seinem Kind auf einen der letzten Listenplätze hat setzen lassen und dass es doch zu einem Direktmandat geführt hat.

Habe ich einen neuen Politiktrend verschlafen? Verhandeln da in Berlin gerade drei Parteien über eine Regierungsbildung mit der Hoffnung, dass es keinem auffällt und sie dann erst sehr erfreut sein werden, wenn die Regierung „steht“, dann aber sagen werden: War alles nicht so gemeint, tut uns leid? Wir lieben jetzt nicht mehr das ganze Volk, sondern nur noch unsere eigenen Kinder.

Zudemt fiel mir ein, dass wir ja froh sein können, dass Manuel Kaatz „nur“ in die Politik und nicht in die Feuerwehr wollte, aber nun weiß ich, dass er dort bereits aktiv ist! Wird er beim nächsten Alarm den Kameraden mitteilen, dass dies doch bestimmt nur ein Fehlalarm sei und er aus Liebe zu seinem Sohn lieber zuhause bleibt?

Anscheinend ist die Geburt eines Kindes ja so etwas Seltenes, dass kaum jemand weiß, wie viel Liebe und Zuwendung so ein Neugeborenes braucht und wie viel Zeit und Geduld das kostet! Sagt einem ja keiner, kann man erst merken, wenn das Kind ein halbes Jahr auf der Welt ist.

Ich werde jetzt diese Kolumne an Ulli schicken mit der Hoffnung, dass er sie nicht finden möge. Wenn doch, dann wird er sie sicherlich mit der Hoffnung veröffentlichen, dass sie niemand lesen werde.

Hier noch der Link zum Original-Kommentar von Manuel Kaatz: https://www.cremlingen-online.de/manuel-kaatz-informiert-ueber-seine-mandatsabsage/

 

Bis neulich,

Witz Witzkewitz

Stellungnahme der Hordorfer Feuerwehr:

https://feuerwehr-hordorf.de/aktuelles/news/stellungnahme-richtigstellung-zur-berichterstattung-auf-der-internetseite-cremlingen-online/