Witzlicht 25 – “Nachlese”

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Eine Kolummne von Hans Witzkewitz (im Auftrag unter meinem Namen)

28.12.2020

Trotz der gegenteiligen Aussage des Gemeindebürgermeisters von Cremlingen gehören auch in Niedersachsen Videokonferenzen nicht zu den Dingen, die auf dieser Welt unmöglich sind.

Am 17.7. wurde § 182 des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes verkündet, der u.a. die „Rechtsgrundlage für die Durchführung von Sitzungen kommunaler Vertretungen als Videokonferenz“ enthält. Bereits einen Tag später trat dieser Paragraph in Kraft und seitdem war ja genügend Zeit nachzufragen, ob alle Sitzungsteilnehmer über die nötigen technischen Voraussetzungen verfügen, um sich von zuhause aus zuschalten zu können. Natürlich bedarf es auch mindestens einer Probe unter realen Bedingungen, um herauszufinden, ob die Internetverbindungen stabil genug sind und nicht beim Einschalten aller Kameras zusammenbrechen, denn das (wenn auch nicht durchgängige) Sichtbarmachen aller Sitzungsteilnehmer ist Bedingung, damit keiner der Teilnehmer während der Sitzung mal schnell mit dem Hund rausgehen und währenddessen die Kinder vor den Rechner setzen kann.

Über zu kurze Vorlaufzeit darf sich also keiner der verantwortlichen Lokalpolitiker beschweren, wenn man diese aber ungenutzt verstreichen lässt und dann deshalb kurzfristig Zusammenkünfte abgesagt werden müssen, dann könnte das bei den Wählern durchaus den Eindruck hinterlassen, dass beispielsweise so eine Ortsratssitzung gar nicht so wichtig ist.

Zumindest hat keiner der Verantwortlichen eine Videokonferenz als Schnellschuss einberufen und dies kurz vor dem Stattfinden wieder rückgängig machen müssen, weil nicht alle Voraussetzungen erfüllt waren, seien sie nun technischer oder sonstiger Art.

So etwas komme bei Behörden nicht vor? Naja, nicht bei allen. Aber in Sachsen durften ab dem 19. Dezember in den Supermärkten nur noch „Waren des täglichen Bedarfs“ verkauft werden, aber beispielsweise Kleidung, Bücher und Spielsachen nicht mehr. Spätestens jetzt taucht bei mir die Frage auf, wieso Süßigkeiten und Spirituosen zum täglichen Bedarf gehören? Jedenfalls mussten die „verbotenen“ Artikel nicht aus dem Markt entfernt, aber zumindest mit Absperrband abgetrennt werden. Wie sich jeder vorstellen kann: Eine sehr sichere Methode, um Missbrauch zu verhindern. Die Freude bei den unterbeschäftigten Angestellten hielt sich kaum noch in Grenzen, hatten sie doch endlich mal andere Aufgaben als Regale aufzufüllen oder an der Kasse zu sitzen und die Kunden liefen nicht nur pöbelnd durch die Läden, sondern haben selbst Folienabdeckungen vor entsprechenden Regalen zerschnitten und zerrissen, nur um weiter ungehindert konsumieren zu dürfen. Zwei Tage später, am 21. Dezember ist dann die Regelung wieder gekippt worden. Wegen Undurchführbarkeit, wie es hieß.

Nun dürfen wir alle mal gespannt sein, wie denn die Bundesdruckerei und sämtliche Krankenkassen damit zurechtkommen werden, in den nächsten Tagen fälschungssichere Zugangscoupons für FFP-2-Masken zu drucken und an die Menschen „mit erhöhtem Risiko“ zu verschicken. Naja, sind ja nur so um und bei 27 Millionen…

Vor meinem inneren Auge sehe ich bereits marodierende Rentnerbanden von Apotheke zu Apotheke ziehen. Vielleicht müssen ja die Impfstofftransporte vor ihnen von der Polizei geschützt werden, weil sie es einfach nicht abwarten können, bis sie eine Aufforderung zur Impfung bekommen?

Überhaupt scheint die Kombination Coronaregeln und Altersstarrsinn unvereinbar zu sein. Da wird sich aus purer Wiedersehensfreude vor dem Supermarkt gedrückt und geknuddelt, kaum öffnen sich die Türen der Bahn, wird sich an der Haltestelle gnadenlos nach vorn gedrängelt und der Mund-Nasen-Schutz wird sehr gern als Kinnwärmer getragen.

Klar, das sind Ausnahmen, aber sie gehören sehr oft der Personengruppe an, die durch die Vorsichtsmassnahmen vorrangig geschützt werden sollen. Oder habe ich da was falsch verstanden?

Bis neulich,

Witz Witzkewitz