Witzlicht 47 – Auch das noch!

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Eine Kolumne von Hans Witzgewitz:

Anfang der achtziger Jahre entwickelte der Kybernetiker Frederic Vester ein Computerspiel namens „Ökolopoly“ (naja, entwickelt hat er es als Brettspiel, die Computer-Version folgte später), in dem es um das Verstehen eben dieser Kybernetik und um vernetztes Denken ging. Begriffe wie „exponentielles Wachstum, Rückkopplungen mit zeitlicher Verzögerung, begrenzte Tragfähigkeit von Systemen, überschießende Faktoren und Zusammenbrüche“ (laut Wikipedia) kamen ins Spiel und mussten berücksichtigt und gemeistert werden.

Meine Frau liebte dieses Spiel, stundenlang konnte sie vor dem Atari sitzen (ich werde ein wenig sentimental und sehe vor meinem inneren Auge eine elektromechanische Schreibmaschine, die über Interface an diesen Rechner angeschlossen war, die Drucktypen flogen wie von Geisterhand gesteuert auf das Papier, gedruckt wurde abwechselnd in beide Richtungen).

Eigentlich mochte auch ich dieses Spiel, aber leider wurde meine Zuneigung nicht erwidert. Spätestens nach Runde 4 (also dem 4. Jahr meiner Regierung) wurde mir mitgeteilt, dass mein Volk mich in einem Staatsstreich abgesetzt hatte, es mir aber gerade noch gelungen sei, rechtzeitig außer Landes zu fliehen ohne Schaden an Leib und Leben zu nehmen.

Blödes Volk. Einmal habe ich statt dem Industriestaat „Kybernetien“ das Nomadenvolk „Kyborien“ regiert, aber die haben mich gleich nach zwei Runden rausgeschmissen.

Da ja beim Thema Digitalisierung in unseren Behörden nach oben hin noch etwas Luft ist (siehe auch Witzlicht 19), sollte sich da so langsam etwas tun. Möglicherweise hat sich da  auch schon etwas getan, denn vielleicht hat sogar jemand aus unserer Gemeindeverwaltung ein Computerprogramm entwickelt, welches bei Anfragen Textbausteine aneinanderreiht und automatische Antworten generiert (Bestimmt war das der Chef persönlich, der kann ja nichts abgeben, sondern muss alles selber machen).

Allerdings ist dieses Programm nicht gerade das modernste – deshalb bin ich nämlich auch auf das eingangs erwähnte Computerspiel aus den 80ern gekommen – aber es macht sehr viel Spaß, wenn auch ungewollt. Neulich hat es auf eine Anfrage bezüglich des auf einer Seite etwas zu schmal geratenen Fußwegs beim Ausbau der Umgehungsstraße „Im Moorbusche“ folgende Antwort generiert:

Das ist ja wohl eindeutig ein bug.

Allerdings ist es sehr lobenswert, dass dieses Programm eine Berufsgruppe in unser Bewusstsein rückt, die sonst kaum eine Lobby hat: Die Beifahrer. Die nämlich bekommen in unserer Gemeinde eine „Ausstiegshilfe“ (erst mal nur an zwei Stellen, aber das ist ja noch ausbaufähig). Die LKW-Fahrer sind es ansonsten gewohnt, beim Aussteigen in den fließenden Verkehr zu springen, es sei denn, sie lassen erst die Beifahrer aussteigen, krabbeln danach auf die andere Seite des Fahrerhauses und können nun ebenfalls die Ausstiegshilfe nutzen.

Jetzt werde ich aber doch ein wenig nachdenklich, denn möglicherweise verstehe ich das alles völlig falsch und in Wirklichkeit werden in Cremlingen LKW-Fahrer rekrutiert, die später den Personalmangel im Vereinigten Königreich (also diesen Commonwealth-Träumern, die so nach und nach aufwachen und feststellen, dass sie lediglich eine Insel im Atlantik sind) beheben sollen. Eine sehr lobenswerte Initiative, die vielleicht dazu beitragen soll, Großbritannien wieder zurück in die Europäische Gemeinschaft zu holen? Wir werden es spätestens dann merken, wenn demnächst in Cremlingen der Linksverkehr eingeführt wird, selbstverständlich nicht überall gleichzeitig, sondern Straße für Straße, beginnend mit Im Moorbusche.

Ach ja, da war doch noch die Rede von „unvorteilhaft fotografiert“. Das Computerprogramm konnte einen geeigneten Fotografen hinschicken, der auch diesen Mangel behoben hat. Also nicht wie im Titelbild, sondern so:

Bis neulich,

Witz Witzkewitz.