WitzLicht: Irgendwas mit 9

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Er scheint gefunden zu sein, der Nachfolger des Neun-Euro-Tickets.

Eine Klumne von Hans Witzkewitz

Nach zähem Ringen wurde ein Kompromiss erzielt – so wird es mit einem Siegerlächeln bei solchen Gelegenheiten verkündet. Was genau dürfen wir uns darunter vorstellen? Sollen wir bei den nächsten Wahlkämpfen die Betonung auf den zweiten Wortteil legen und anstatt Gesprächsrunden aufzubauen lieber Matten ausrollen? Olaf Scholz, Robert Habeck, Christian Lindner, Friedrich Merz und Tino Chrupalla mal nicht im schicken Anzug, sondern im kecken Ringerleibchen? Selbstverständlich in rot, grün, gelb, schwarz und blau. Die Bundesvorsitzende der Grünen (nein, sie heißt nicht Breit sondern wirklich Lang) wird dann höchstwahrscheinlich im Sumoringen antreten, aber auch in ihrer Gewichtsklasse wird es passende Gegner geben.

Selten kommt es bei solchen Kämpfen zu einem klaren Sieg, meist wird ein Kompromiss errungen – ein Unentschieden also. Über dieses Wort sollten wir genauer nachdenken. Sagt es doch, dass es zu keiner Entscheidung kommen wird, man trennt sich un-entschieden. Habe ich jetzt endlich verstanden, wie Politik funktioniert oder nehme ich mal wieder alles zu wörtlich? Als Schiedsrichter kommen selbstverständlich nur die Vorstände der FIFA in Frage, weil die erstens für ihre Unbestechlichkeit und zweitens für die Auswahl orgineller Veranstaltungsorte bekannt sind.

Zurück zum Ticket: 49 € soll es kosten. Viel zu teuer sagen die einen, kann sich nicht jeder leisten. Viel zu günstig behaupten andere, dies deckt nicht die Kosten und wird ein reines Zuschussgeschäft.

Natürlich sind auch wieder einige Bundesländer vorgeprescht: Bayern mit seinem 365-Euro-Ticket für ein Jahr, Berlin mit einem monatlichen 29-Euro-Ticket (inzwischen bis März verlängert), um nur zwei Beispiele zu nennen. Nachteil: Diese Fahrscheine sind nur regional gültig und war es nicht der vielleicht grösste Vorteil des Neuneurotickets, dass es bundesweite Gültigkeit besass? Keiner musste mehr in einem anderen Bundesland die dortigen Fahrkartenautomaten studieren und nach dem Erwerb des Fahrscheins herausfinden, ob dieser automatisch entwertet war oder ob dies manuell zu geschehen hatte. Auch entfiel das Bangen, ob die gewünschte Haltestelle innerhalb der bezahlten Zone, Wabe oder was auch immer lag oder ob man die letzten Stationen schwarz fuhr, ohne es zu bemerken.

Vielleicht wird es ja auch parallel zum 49-€ noch ein 59-€-Ticket geben, damit diejenigen, die kein Smartphone besitzen und auch keins haben wollen, dennoch günstig den Nahverkehr nutzen können? Dieser Papierfahrschein wäre dann zeitlich begrenzt und müsste nicht jedes Mal gekündigt werden, wenn man ein paar Wochen zuhause bleiben möchte. Alles in allem scheint es aber eine sehr schwere Geburt zu werden, können wir im März damit rechnen oder doch lieber erst in neun Monaten?

Die Bahn jedenfalls hat ein positives Fazit gezogen und freut sich darüber, auf Schwachstellen aufmerksam geworden zu sein. Was müssen da für kluge Köpfe im Vorstand hocken!

Wenn man jahrelang Personal abbaut und unrentable Verbindungen einstellt, dann brauchen diese Menschen eine dreimonatige Passagierflut um herauszubekommen, dass es zu wenig Personal, zu wenig Material und zu wenige Verbindungen gibt? Andere hätten dafür nicht mal eine Computersimulation gebraucht und ich möchte jetzt nicht den Schulhofvierzeiler zitieren, in dem beschrieben wird, in welche Unternehmen dumme Söhne geschickt werden sollen.

Erst recht nicht möchte ich an die Überlegungen seitens der Bahn denken, ob denn die Weddeler Schleife wirklich gebraucht wird.

In diesem Sinne,

Ihr Witz Witzkewitz.