WitzLicht: Missverständnisse

0
862

Cremlingen 23.03.2022

Eine Kolumne von Hans Witzkewitz:

Schön, wenn man so wohlhabend ist, dass man sich noch eine komplette Tankfüllung leisten kann! Die Tankquittung steckt man danach wie ein Kavalierstaschentuch in die Brusttasche seines Jacketts und achtet darauf, dass der Endbetrag trotz Abstandsregel deutlich sichtbar für jeden Vorübergehenden lesbar ist. Natürlich sollte man seinen Wohlstand ab und zu öffentlich zeigen (da können wir ruhig etwas von den Indern lernen, auch wenn in Mitteleuropa nur eine verschwindend geringe Zahl von Menschen daran glaubt, dass heutiger Wohlstand die Belohnung für ein früheres Leben ist, in dem man alles richtig gemacht und sozusagen Pluspunkte für sein Karma gesammelt hat, die nun im gegenwärtigen Leben ausgezahlt werden). Im großen Rahmen feiern muss man ja nicht gleich, aber sich ein wenig bewundern lassen geht schon, am besten da, wo man sieht und gesehen wird, also im Café eines Supermarkts bei einem Latte Macchiato für 3,35 €, den man sich nämlich auch erst mal leisten können muss.

Leider kann es dann passieren, dass die Freude getrübt wird, weil man sich das Gejammer von Cremlinger Bürgern anhören muss, die sich darüber beschweren, dass „Im Moorbusche“ der Fußweg auf der einen Seite nicht begehbar war, weil ein Bus dort geparkt hatte und überhaupt würden da jetzt beinahe immer LKWs oder deren Auflieger stehen.

Liebe Cremlinger, wann endlich begreift ihr, dass es auf dieser Straßenseite keinen Fußweg gibt? Ulrike Siemens von den Grünen war so freundlich, als Vorsitzende des Bauausschusses dem Chef von Cremlingen.online mitzuteilen, dass es sich dort eine Ausstiegshilfe handelt, mehr nicht. Damit nicht genug, auch Burkhard Wittberg von der SPD (ebenfalls Mitglied im Bauausschuss) hat dies in einer Ratssitzung öffentlich kundgetan und Marlies Pessel (ihres Zeichens Leiterin Fachbereich 1 und allgemeine Vertretung des Bürgermeisters) machte uns sogar doppelt aufmerksam, einmal im persönlichen Gespräch und extra nochmals in einem Telefonat.

Dass es sich dabei ja eigentlich nur um eine Ausstiegshilfe für Beifahrer handeln kann, habe ich ja schon ausführlich in „Witzlicht 47“ dargestellt. Darf die eigentlich auch als Einstiegshilfe genutzt werden?

Also liebe Cremlinger, nun glaubt es doch endlich und wenn ihr schon da lang müsst oder wollt, dann schleicht euch heimlich an den parkenden Fahrzeugen vorbei und wenn man euch doch sieht, dann tut so, als wärt ihr gerade aus einem LKW gesprungen oder wollt ihr wirklich riskieren, dass der Missbrauch einer Ausstiegshilfe als Fußweg eines Tages als Ordnungswirdrigkeit geahndet wird?

Nächstes Missverständnis: Warum ausgerechnet das Dorfblättchen für die Ortschaften Weddel und Schapen sich für schnelles Internet breit macht (sich für Breitband breitmachen wäre eine alternative Formulierung gewesen), ist mir unbegreiflich. Gut, Eigennutz kann es ja nicht sein, denn wenn man die eigene Internetpräsenz eher widerwillig hinter sich herschleppt wie eine alte Frau ihren Hackenporsche beim Einkaufen, käme man eigentlich auch heute noch mit einem Telefonmodem aus den 90er Jahren zurecht.

Online hat ja irgendwie auch etwas mit schnell aktuell sein können zu tun, manchmal jedenfalls. Wenn man dann aber zur Aktualisierung der Druckausgabe auf Aushänge zurückgreift, dann sollte man sich doch überlegen, ob man ein paar Bäumen das Leben schenkt, auf wertvolles Papier verzichtet und die ganze Zeitschrift zukünftig nur noch als Anhang herausbringt (außer im Netto-Markt – wir haben verstanden).

Obwohl: Das Verschenken von Papier ist ja mittlerweile auch schon ein Zeichen von Wohlstand, also weitermachen wie gehabt.

Einen schönen Frühling

und bis neulich,
Witz Witzkewitz.

 

Ein Leserfoto – laut Leserbrief!